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Neuss: Bauverein reißt Hochhäuser ab

Neuss : Bauverein reißt Hochhäuser ab

Die Neusser Bauverein AG will die vier Hochhäuser an der Hülchrather Straße in Weckhoven abreißen lassen und dort ein schmuckes Wohnviertel errichten. Manche Mieter trifft die Kündigung hart.

Der Aufsichtsrat der Neusser Bauverein AG gab in seiner Sitzung Ende Juni das Startsignal: Die vier Hochhäuser an der Hülchrather Straße in Weckhoven mit insgesamt 144 Wohnungen werden abgerissen. Dort wird nach Angaben von Bauverein-Vorstandsvorsitzendem Frank Lubig eine aufgelockerte Bebauung mit öffentlich geförderten Mietwohnungen, Reihen- und Doppelhäusern entstehen. Ein Landeswettbewerb von 30 Architekten, der Anfang kommenden Jahres starten wird, soll das bestmögliche Ergebnis bringen.

Die ersten beiden Hochhäuser – Hülchrather Straße 31 und 33 – sollen laut Lubig 2014 fallen. Doch der Bauverein reagierte schnell. Schon jetzt bekamen Mieter vorsorglich die Kündigung. Und die traf manchen Bewohner der sogenannten "Punkthäuser" aus der zweiten Hälfte der 1960er Jahre hart.

So zum Beispiel Horst und Ursula Breuer. Seit 1967 wohnen sie in der achten Etage im Haus Nummer 31. "Beim Einzug wurden wir von dem damaligen Oberbürgermeister Peter-Wilhelm Kallen empfangen", erinnert sich Horst Breuer. In der 93-Quadratmeter-Wohnung haben sie ihre drei Kinder groß gezogen, mehr als ein halbes Leben dort verbracht, den Weitblick vom Küchenfenster bis zu den Kraftwerken bei Grevenbroich genossen. "Wir sind traurig", sagt Horst Breuer, der in wenigen Tagen 67 Jahre alt wird. "Einen alten Baum verpflanzt man nicht." Doch die Breuers haben sich mit der Situation abgefunden. Sie haben sich für eine 80-Quadratmeter-Wohnung an der Weckhovener Straße entschieden – am 1. November werden sie als erste umziehen. Voll des Lobes sind die Breuers über das Entgegenkommen des Bauvereins. "Die Umzugskosten werden übernommen, die neue Wohnung wird nach unseren Wünschen hergerichtet. Man hat uns geholfen, wo man nur konnte."

Ganz anders klingt das bei Dieter-Eugen Kellermeier im Haus Nummer 37. Er ist erst vor neun Monaten dort eingezogen: "Wir haben viel in die Wohnung investiert, das ist alles weg." Und eine neue Wohnung habe ihm der Bauverein auch noch nicht angeboten. Lubig erläutert, dass für den Bauverein der Zeitpunkt der Aufsichtsrats-Entscheidung maßgeblich sei. "Und das geht manchmal sehr schnell", so Lubig. Der Vorstandsvorsitzende: "Die Häuser 35 und 37 werden in einem zweiten Abschnitt erst 2015 abgerissen. Bis dahin sind ein Teil der neuen Häuser entstanden. Dort werden wir den Bewohnern der Hochhäuser eine neue Bleibe anbieten." Darüber hinaus hätten die Hochhaus-Bewohner die Auswahl im Bestand des Bauvereins.

(NGZ)