Neuss: Baustopp für die Deutsche Glasfaser

Neuss : Baustopp für die Deutsche Glasfaser

Anwohner sind sauer, weil ganze Straßenzüge nach Tiefbauarbeiten nicht wieder ordentlich hergerichtet wurden. Die Stadt erteilt der Deutschen Glasfaser vorerst keine weiteren Aufbruchgenehmigungen - bis die Schäden behoben sind.

Die Deutsche Glasfaser muss ihren weiteren Netzausbau in Neuss vorerst ruhen lassen. Der Grund: Nachdem der Zustand ganzer Straßenzüge nach Tiefbauarbeiten durch das von der Deutschen Glasfaser beauftragte Subunternehmen zu wünschen übrig lässt, erteilt die Stadt dem Unternehmen vorerst keine weiteren Aufbruchgenehmigungen. Das bestätigt Tobias Spange vom städtischen Presseamt auf Anfrage unserer Redaktion. "Dies gilt solange, bis die Schäden beseitigt sind", sagt Spange. "Die Verwaltung ist in Gesprächen mit dem Unternehmen. Die Beseitigung der Schäden soll jetzt geschehen."

Viele Bürger haben mittlerweile kein Verständnis mehr für das Vorgehen bei den Tiefbauarbeiten. Die Straße "Auf den Stöcken" in Speck ist ein gutes Beispiel für die durchaus fragwürdigen Hinterlassenschaften des von der Deutschen Glasfaser beauftragten Subunternehmens. Am Straßenrand wurde nach den Arbeiten auf einer Strecke von mehreren hundert Metern gar kein Asphalt mehr angebracht, auch auf der Straße selbst wurden Lücken im Asphalt hinterlassen, eine Fahrt über "Auf den Stöcken" empfinden Anwohner mittlerweile als Tour über eine Schlaglochpiste. In der Tempo-30-Zone gibt's alle paar Meter einen Schlag auf die Achse. Insgesamt 35 solcher Löcher hat Anwohner Fabian Schnitger gezählt. "Auf einer Strecke von vielleicht 500 Metern", sagt er.

Die Stimmung in Speck ist inzwischen mies. Denn nicht nur die Straße ist nach den Tiefbauarbeiten, die Ende des vergangenen Jahres durchgeführt wurden, in miserablem Zustand. Auch die Anschlüsse lassen auf sich warten. Solange die Straßen nicht in ordentlichem Zustand sind, ruht der Ausbau der Hausanschlüsse. Nicole Holländer aus der Marketingabteilung der Deutschen Glasfaser betont, dass umgehend mit der Behebung der Schäden begonnen wird: "Bis Ende des Monats werden die Gehwegabzweige wieder richtig hergestellt, zudem wird die Asphalttragschicht neu eingebracht." Ziel ist es, dass die Straßen und Gehwege wieder so hergerichtet werden, wie sie vor dem Eingriff waren.

Neu sind die Probleme nach Tiefbauarbeiten für die Deutsche Glasfaser nicht. In Grevenbroich sowie weiteren Kommunen gab es ebenso Beschwerden über den Zustand der Straßen wie jetzt in Speck. "Wir werden jetzt noch mehr Augenmerk auf die Baustellenkontrolle richten als bisher", sagt Holländer.

Die Stadt baut mit ihrer Maßnahme auch Druck auf das Unternehmen auf. Ein Ausbau-Stopp bedeutet schließlich bares Geld. In Speck sowie den benachbarten Orten Wehl und Helpenstein hadern die Glasfaser-Kunden zudem längst mit der Verzögerung - sie alle haben schließlich den Anbieter gewechselt. "Da gibt es unter Nachbarn schon die Sorge, was geschieht, wenn der alte Vertrag ausläuft und der Anschluss ans Glasfasernetz noch nicht erfolgt ist", sagt Schnitger. Die Bürger hoffen nun, dass der Glasfaser-Ausbau endlich zufriedenstellend über die Bühne geht.

Die Politik reagiert gespalten auf den vorübergehenden "Baustopp" durch die Stadt. Thomas Kaumanns (CDU) findet ihn überzogen. "Da gibt es andere Mittel, ein Unternehmen in die Pflicht zu nehmen", sagt er. Michael Ziege (SPD) spricht hingegen von einem richtigen Schritt. "Es geht einfach nicht, dass die Straßen so miserabel hinterlassen werden", betont er.

(NGZ)
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