Neuss: Bauer & Schaurte - Chronologie des Niedergangs

Neuss: Bauer & Schaurte - Chronologie des Niedergangs

Die Ansiedlung von Johnson Controls oder der Umzug von Pierburg auf die Hafenmole I unterstreichen, dass "Food-City" Neuss nicht nur in der Lebensmittelbranche stark ist, sondern auch als Standort für Automobilzulieferer einen Namen hat. 2500 Arbeitsplätze rechnet Wirtschaftsförderer Frank Wolters dieser Branche zu. Begründet hat diesen Ruf die 1876 von Georg Bauer und Christian Schaurte erbaute "Rheinische Schrauben- und Mutternfabrik".

Weltgeltung erreichte das Unternehmen aus Neuss, das nach wie vor auf die Entwicklung und Fertigung mechanischer Verbindungselemente spezialisiert ist, im Jahr 1936. Damals wurde die im Jahr zuvor unter dem Namen Inbus vorgestellte Innensechskant-Schraube zum Patent angemeldet. Acht Jahre zuvor hatten Neusser Ingenieure schon die Verbus-Schraube entwickelt. Inbus und Verbus - wobei die Silbe "bus" immer für "Bauer und Schaurte" steht - zieren wie ein Wahrzeichen noch das die Parkhaus-Fassade gegenüber dem Werk.

1980, das Unternehmen hatte die Roboter-Schrauben für die automatische Montage entwickelt, fusionierte Bauer & Schaurte mit den Karcher-Schraubenwerken aus dem saarländischen Beckingen. BSK (Bauer & Schaurte Karcher GmbH) firmierte fortan als Tochterunternehmen der Saarstahl, die 1993 Insolvenz anmeldete, BSH gleich mit. Es begann ein Übernahmemarathon unter Teilnahme von Großkonzernen aus Frankreich (Valois-Gruppe), Amerika und Indien. So produzierte das Schraubenwerk in den vergangenen Jahren unter den Namen Textron, Acument, Ruia und - seit dem Jahreswechsel - unter Whitesell. Mitte 2009 ging die Firma unter dem Namen Acument insolvent, im März 2012 schickte auch Ruia die Gruppe ins Konkursverfahren. Da hatte das Werk schon eine Restrukturierung hinter sich, bei der der Werksteil östlich des Weißenberger Wegs aufgegeben wurde.

(-nau)
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