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Neuss: Baudezernent plant die Zukunft der Stadt

Neuss : Baudezernent plant die Zukunft der Stadt

Wie wird die Stadt Neuss im Jahr 2025 aussehen? Der Baudezernent skizziert in seiner Antwort keine kühnen Entwürfe, sondern formuliert "realistische Visionen". Sein erklärtes Ziel: Die Einwohnerzahl von 155 000 soll stabilisiert werden.

Empfahl Altkanzler Helmut Schmidt einst Menschen mit Visionen einen Arztbesuch, so muss sich Christoph Hölters (47) nicht angesprochen fühlen. Der städtische Beigeordnete für Planung, Bauwesen und Verkehr steht für "realistische Visionen". Er skizziert also keine kühnen Entwürfe, sondern seine Vorstellungen zur Stadtentwicklung bis 2025 sind konkret: Neuss rückt enger ans Wasser, peppt Bahnhof samt Umfeld zum City-Eingangstor auf, baut neue Wohnungen vor allem auf innerstädtischen "Konversionsflächen" (Finanzamt, Kamillusgarten, Alexianer-Gelände), gestaltet die Hammer Landstraße als Boulevard, der Innenstadt und Rheinparkcenter verbindet.

Für manchen Zuhörer war Hölters zu konkret. Düsseldorfs BDA-Chef Bruno Braun hätte sich mehr als nur eine "Betrachtung für Neuss" gewünscht: "Wie positioniert sich Neuss im Spannungsfeld zwischen Großstadt und ländlichem Raum? Wie sieht Neuss seine Zukunft als Nachbar von Düsseldorf? Wie werden die Schnittstellen der Stadtein- und Stadtübergänge definiert? Wie werden Gewerbeflächen in der Region organisiert?" Insofern sei der von Hölters angesprochene "Masterplan Industrie" sehr wichtig, der vor allem Areale im Hafen und im Neusser Süden (Aluminium-Industrie) untersucht.

Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren, am 8. April 2011, wählte der Rat Christoph Hölters zum neuen Planungsdezernenten im Rathaus. Seit dem 1. Juli 2011 ist er im Amt. Für den Bund Deutscher Architekten (BDA), den Verein Neuss Agenda 21 und das Kulturforum Alte Post ist die Zeit gekommen, Bilanz zu ziehen und Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln — und das im Dialog mit Experten aus Verwaltung, Politik, Privatwirtschaft und vor allem auch der Bürgerschaft. Diesem Ziel dient die fünfteilige Reihe "Neusser Stadtgespräche", die nun mit Christoph Hölters als Referenten und mehr als hundert Besuchern im voll besetzten Saal der Alten Post begann. Die Bereitschaft, über die Entwicklung der Stadt nachzudenken und damit die Gestaltung des eigenen Lebensraums zu streiten, lobte Hildegard Monßen, Vorsitzende des Fördervereins Alte Post: "Diese Beteiligung der Bürger ist ein großes Kapital."

Christoph Hölters präsentierte sich vor großem Publikum als ein fachkundiger Arbeiter bis ins Detail, der nicht über den städtebaulichen Dingen schwebt. Dabei weckte er durchaus Hoffnungen — Hoffnung darauf, dass er zielorientierte Motor einer Stadtentwicklung ist, in der auch die Bürgerbeteiligung ein ernsthaftes Instrument der Kommunikation ist. Signale, die alteingesessene Architekten wie Rudolf Küppers freudig aufnahmen.

Bei seiner Sicht auf die "Stadtentwicklung bis 2025" geht Christoph Hölters von einer These aus: Neuss soll seine Einwohnerzahl von derzeit 155 000 stabilisieren, wenn möglich moderat wachsen. Die dabei bestehende Nachfrage nach ausreichend Wohnraum in allen Preissegmenten will Hölters vor allem durch die Bebauung von Lücken im Siedlungsbereich decken. Neben den laufenden Projekten, zu denen auch Baugebiete in Hoisten, Holzheim und Uedesheim gehören, nannte der Beigeordnete auch drei Flächen mit "Potenzial" für den Wohnungsbau: das Gelände der Sauerkrautfabrik Leuchtenberg, das Hammfeld (Grewe-Bau) und das heutige Pierburg-Gelände an der Bockholtstraße, wenn die Produktion des Automobil-Zulieferers auf die Hafenmole I verlagert wird.

Das Ziel, Neuss ans Wasser zu bringen, werde bald mit der Brücke übers Hafenbecken I und der Brücke über die Batteriestraße einen weiteren Schritt näher rücken: "Neuss verändert sein Gesicht."

(NGZ/rl)