Neuss: Bahn erprobt in Neuss Lärmschutz-Innovation

Neuss : Bahn erprobt in Neuss Lärmschutz-Innovation

Drei Jahre nach Abschluss der Lärmsanierung an bestehenden Strecken sorgt ein Zukunftsprogramm des Bundes für eine Neuerung.

Die Bahn experimentiert wieder. Auf einem Streckenabschnitt parallel zur Jahnstraße wird ab September auf dem Damm zwischen Rheydter Straße und Preußenstraße auf 330 Meter Länge eine Kombination aus neuartiger Mini-Schallschutzwand und Schienenstegdämpfern eingebaut und erprobt. Schienenstegdämpfer seien bereits an Strecken eingebaut worden, erklärt Luise Gunga vom Regionalbüro der Bahn in Düsseldorf. In Neuss, ergänzt sie, "ist erstmalig die Kombination mit der Mini-Schallschutzwand vorgesehen."

Mit dem Pilotprojekt greift die Bahn wieder das Thema Schallschutz an bestehenden Strecken auf, das eigentlich seit dem Jahr 2014 als abgearbeitet galt. Damals wurde - zum Abschluss - in Elvekum eine auf 104 Metern klaffende Lücke geschlossen. Sechs Jahre hatte die örtliche Bürgerinitiative "Pro Elvekum" darum kämpfen müssen.

Schon in Elvekum sollte ein neuer Typ Lärmschutzwand erprobt werden - nicht einmal halb so hoch wie die üblicherweise verbauten, dafür aber Richtung Gleis gekrümmt, um so den Lärm einzufangen. Der Test war der Versuch nachzubessern, denn in dem Programm "Lärmschutz an bestehenden Strecken", das die Bahn freiwillig - allerdings mit Bundesmitteln finanziert - aufgestellt hatte, war diese Lücke geblieben. Der Versuch platzte, die Lücke selbst wurde dann doch geschlossen - nach politischer Intervention. Insgesamt errichtete die Bahn damit in den Jahren 2008 bis 2014 in Neuss 7,6 Kilometer Lärmschutzwände. Kosten: mehr als 11,5 Millionen Euro.

Auch an der Selfkantstraße hatten Anwohner damals mit Unterstützung der Verwaltung die Bahn zu bewegen versucht, etwas in Lärmschutz zu investieren. Doch weil man dort knapp unter den für eine Sanierung festgelegten Lärmgrenzwerten blieb, lehnte die Bahn ab. "Innovative beziehungsweise noch im Erprobungsstadium befindliche Lärmschutzmaßnahmen sind nicht Gegenstand der Lärmsanierung", teilte die Bahn damals der Stadt schriftlich mit. Die erhoffte Alternative war keine.

Dass nun an der Jahnstraße gebaut wird, hängt mit dem Zukunftsinvestitionsprogramm des Bundes zusammen. Der gibt Geld, damit Lärmschutztechniken weiterentwickelt, erprobt und angewandt werden können. Bei den Schienenstegdämpfern handelt es sich um Stahlplatten mit Gummiummantelung, die an der Schiene montiert werden und die abstrahlenden Schallwellen abdämpfen, erklärt Gunga. Die Schallschutzwände wiederum sind niedriger als die üblichen und werden direkt auf die Schwellen montiert. Das ermöglicht aus Sicht der Bahn eine schnelle und unkomplizierte Montage, weil kein eigenes Fundament nötig ist.

Sascha Karbowiak, Stadtverordneter im Stadionviertel, nennt niedrige Lärmschutzwände an Strecken auf einer erhöhten Dammlage wie am Jahnstadion sinnvoll. Ansonsten würden sie nur Verbesserungen für die Bewohner im Erdgeschoss bringen, ist er überzeugt.

Im Rathaus war das Thema noch nicht bekannt. Die Bahn hat zwar schon ein Baustellenschild an der Jahnstraße aufgestellt. Aber ansonsten - das lehrt die Vergangenheit - ist sie nicht besonders mitteilsam.

(-nau)
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