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Neuss: Bäcker Klein kämpft gegen Billigpreise

Neuss : Bäcker Klein kämpft gegen Billigpreise

Immer weniger kleine Backstuben können mit den Discounter-Preisen konkurrieren. So geht es auch Bäcker Klein aus Uedesheim.

In der Bäckerei von Familie Klein an der Rheinfährstraße sieht kein Brötchen gleich aus. Vom Croissant übers Roggenbrot bis zum Berliner werden in der Backstube noch jeden Morgen Backwaren von Hand hergestellt. In Zeiten, wo Discounter und große Bäckereiketten in Massen hergestellte Aufback-Produkte zu günstigen Preisen anbieten und gerade kleine Bäckereibetriebe um jeden Kunden ringen müssen, ist das selten geworden. Denn den klassischen Bäckereibetrieb gibt es nicht mehr: "Der Konkurrenzkampf, der aggressive Handel und das Anbieten von Backwaren zum billigsten Preis bestimmen das Alltagsgeschäft", klagen Anke und Wiljo Klein, die den Uedesheimer Familienbetrieb leiten.

Im vergangenen Jahr erst hat die Familie das 110-jährige Bestehen der Backstube gefeiert, die Kinder sollen den seit vier Generationen geführten Familienbetrieb einmal übernehmen. "Doch wenn die Energiekosten weiterhin steigen und wir mit noch mehr Unternehmen zu noch günstigeren Verkaufspreisen konkurrieren müssen, sieht die Zukunft für unsere Backstube düster aus", sagen die Kleins voller Sorge. Das Geschäft mit seinen zwölf Mitarbeitern steht auf der Kippe. "Der harte Wettbewerb macht das ganze Bäckerhandwerk auf Dauer kaputt", sagt Wiljo Klein.

Noch können sie ein Brötchen zum Preis von 30 Cent anbieten, doch das gesamte Geschäft sei nicht mehr mit dem aus früheren Zeiten zu vergleichen: "Heute kaufen viele Leute ihr Brot oder Aufback-Brötchen günstig und abgepackt im Supermarkt", sagt Klein. Auch in Uedesheim bekommen die Bäcker das zu spüren. Denn im östlichsten Neusser Stadtteil sind sie längst nicht mehr allein: Eine große Lebensmittelkette und zwei andere Bäckereifilialen sind direkt in ihrer Umgebung vertreten. Große Konkurrenz für den kleinen Betrieb, der täglich etwa 1000 Brötchen backt — "eine Lachnummer für die großen Ketten", sagt Anke Klein.

"Wir beobachten seit einigen Jahren, dass die Preise für Backwaren immer aggressiver werden. Ein Aufback-Brötchen beim Discounter kostet ja höchstens 17 Cent", sagt Walter Dohr, Geschäftsführer des Verbandes des rheinischen Bäckereihandwerks. "Immer mehr Bäckereien werden von großen Ketten geschluckt." Gerade kleine Bäckereien müssten trotz knapper Kassen aufrüsten: Werbung machen, sich auf die individuellen Wünsche ihrer Kunden einstellen, originelle Rezepturen entwickeln. Walter Dohr bedauert die Wettbewerbsverzerrungen, die durch den Preisdruck entstehen, denn qualitativ könnten die kleinen Bäckereien durchaus bestehen. Die Billig-Teiglinge aus Osteuropa, wie sie in den Discountern vertrieben werden, enthielten oft chemische Zusätze, die das Produkt länger haltbar machen sollen. "Ein Bäckermeister macht das nicht", erläutert der Experte.

Das sieht auch Familie Klein so, sie will weiterhin ausschließlich backfrische Produkte anbieten. Produkte, die von Wiljo Klein jeden Morgen ab 2 Uhr selbst hergestellt werden. "Die Kundschaft soll das wahre Handwerk schätzen lernen", sagt der 51-Jährige entschlossen. Er möchte alles daran setzen, dass sein Betrieb, der für die besonderen rheinischen Butterstollen mit Marzipan bekannt ist, weiterbestehen kann. Dennoch bleibt eine ungewisse Zukunft. "Für uns ist es zu einem Kampf um jeden Cent geworden, den das Brötchen teurer macht", sagt Klein.

(NGZ/ac)