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Neuss: Baby-Trockenmilch verzweifelt gesucht

Neuss : Baby-Trockenmilch verzweifelt gesucht

Eltern von Säuglingen suchen zurzeit händeringend nach Baby-Milchpulver. Weil chinesische Eltern nach Skandalen auf deutsche Produkte zurückgreifen, bleiben hierzulande die Regale oft leer. Das sorgt auch in Neuss für Probleme.

An dem Regal, in dem eigentlich die Baby-Trockenmilch von Aptamil stehen sollte, hängt ein großer Zettel mit einer Botschaft, von der Neusser Mütter und Väter die Nase gestrichen voll haben: "Liebe Kunden, die Abgabe aller Aptamil Milchnahrungen kann derzeit nur in haushaltsüblichen Mengen erfolgen (max. 3 Packungen)". Glück hat, wer dann in einem Laden tatsächlich noch drei Packungen findet, weiß die Neusser Hebamme Andrea Wagner: "Mir ist bekannt, dass bestimmte Märkte wie der an der Moselstraße von der Knappheit bestimmter Marken betroffen ist." Ein Phänomen, das sich zurzeit durch die ganze Bundesrepublik zieht.

Der Grund: Das Baby-Milchpulver des Marktführers wird knapp. Denn chinesische Eltern importieren die deutschen Produkte "Aptamil" und "Milumil", weil sie Herstellern von Babynahrung aus dem eigenen Land nicht mehr trauen. Im Jahr 2008 erkrankten rund 300 000 Babys an mit der Chemikalie Melamin verseuchtem Milchpulver, 2012 wurden in der Säuglingsnahrung eines chinesischen Herstellers erhöhte Mengen Quecksilber gefunden.

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So machen sich viele Eltern täglich auf die Suche nach Babynahrung für den jüngsten Spross. Die Drogerien und Warenhäuser in der Region sind machtlos."Seit einiger Zeit verzeichnen wir eine extrem hohe Nachfrage nach den Säuglingsnahrungen der Marke Aptamil, die der Hersteller Milupa derzeit nicht ausreichend bedienen kann", erklärt dm-Geschäftsführer Christoph Werner.

Die Verfügbarkeit von Baby-Milchpulver ist durch Produkte anderer Hersteller zwar gewährleistet, doch mit anderen Marken können Eltern oft nichts anfangen, sagt die Hebamme Caroline Brünger: "Viele Eltern trauen sich nicht, auf eine andere Marke umzustellen. Dadurch, dass die Zusammensetzung der Trockenmilch etwas anders sein kann, können die Säuglinge in der ersten Zeit nach einer Umstellung Verdauungsstörungen oder Blähungen bekommen."

Oft würden die Säuglinge im Krankenhaus bereits mit dem Marktführenden Produkt gefüttert, so dass die Eltern dann auch dabei blieben. "Wenn die Kinder diese Sorte gut vertragen, wollen die Eltern ungern zu einer anderen Marke wechseln und so Probleme riskieren", sagt Brünger.

Doch zurzeit haben Neusser Eltern manchmal keine andere Wahl. Wagner: "Ich hatte schon Mütter in der Betreuung, die auf ein anderes Produkt umstellen oder mit einem anderen Produkt temporär überbrücken mussten." Das sei generell nicht problematisch, sagt Brünger, doch sollte man sich schon auf die Verfügbarkeit verlassen können: "Der ständige Wechsel zwischen den Produkten ist für den Säugling nicht gut."

Neben dem Drogerie-Markt "dm" klagen nach Informationen der NGZ auch Real und Rewe über schlechte Lieferungen der Hersteller. Demnächst will die Firma Milupa eine neue Produktionslinie in Irland in Betrieb nehmen. Diese soll laut einem Unternehmens-Sprecher das Werk in Fulda entlasten.

(NGZ/rl)