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Neuss: Baby Henri ist endlich daheim

Neuss : Baby Henri ist endlich daheim

Henri Derlam kam als Frühstgeborener auf die Welt. Ein schwieriger Start ins Leben. Nach zehn Monaten im Krankenhaus durfte er jetzt zu seinen Eltern, die für seine Betreuung ein zehnköpfiges Team zusammenstellten.

Henri Derlam ist zu Hause. Der Junge, der seit seiner Geburt am 12. November 2010 nur das Krankenhaus kennengelernt hatte, durfte am Montag endlich zu seinen Eltern. Möglich macht das ein zehnköpfiges Helferteam, das Mutter Anabel Derlam und Vater Jelko Luksch für die Betreuung ihres Sohnes mit großer Mühe zusammensuchen musste. Denn Henri ist krank.

Henris Start ins Leben war dramatisch. Sein Zwillingsbruder Julius kam in der 19. Schwangerschaftswoche zur Welt und starb. Dass die Mutter Henri bis zur 23. Woche der Schwangerschaft halten konnte, war ein medizinischer Sonderfall, der nur alle 20 Jahre eintritt. Aber diese vier Wochen länger bei der Mutter waren entscheidend dafür, dass der Junge überhaupt lebensfähig war. Trotzdem: Mit 27 Zentimetern Größe und nur 445 Gramm war er eher eine Handvoll Mensch. Aber Henri macht sich. Beim Umzug brachte er 5100 Gramm auf die Waage.

"Er ist so alt, dass er von den Reizen zu Hause mehr profitieren wird", war sich Rüdiger Wentzell, Oberarzt der Kinderklinik am Lukaskrankenhaus, schon vor Wochen sicher. Aber entlassen konnte er den Knaben nicht. Denn weil Henri Schluckbeschwerden hat, die in unregelmäßigen Abständen zu "Abstürzen" infolge stockender Atmung und kleinen Ohnmachten führen, durfte das Baby nie ohne Aufsicht sein.

Weil sich aber kein Pflegedienst fand, gingen die Eltern neue Wege: Sie wurde Unternehmer in eigener Sache und suchten per Inserat Pflege-Helfer. Auf die Annonce und einen NGZ-Bericht hin meldeten sich gut 20 Interessenten, darunter auch Ärzte und Medizinstudenten. Zehn stellte Anabel Derlam mit Hilfe ihrer Krankenkasse ein. "Ein Superteam" sagt sie. Das unterstützt jetzt die Betreuung von 22 bis 8 Uhr und von 8 bis 17 Uhr. Drei Stunden sind Eltern und Kind alleine. Aber sie haben den Umgang mit den Apparaten lange üben können.

"Die ersten Tage daheim waren aufregend", sagt Anabel Derlam, die sich aber schon in der zweiten Nacht etwas beruhigter ins Bett legte. Denn natürlich überlagert den Start als Familie noch manche Sorge, aber eben kein akutes Problem. Dafür genießen die Derlams, was ihnen Monate nicht möglich war: Spaziergänge zum Beispiel. "Die mag er, da schläft Henri schnell tief und fest", freut sich die Mutter.

Daheim konnte Henris Zimmer nicht frei von Medizintechnik bleiben, aber es ist trotzdem viel mehr ein Kinder- als ein Krankenhauszimmer. Und der Junge dankt den "Tapetenwechsel". Die "Abstürze" kommen nur noch sehr selten vor. Der Oberarzt hat Recht behalten.

(NGZ)