Autovermietung in Neuss bietet Tesla Model 3 an

Testfahrt durch den Rhein-Kreis Neuss: Tesla Model 3: So fährt sich das Elektro-Auto

Erst im ersten Halbjahr 2019 will Tesla das Elektroauto Model 3 für Europa produzieren. Die Neusser Autovermietung Arndt vermietet das Auto schon jetzt. Möglich macht das eine TÜV-Einzelabnahme. Die NGZ fuhr das begehrte Elektro-Auto durch den Rhein-Kreis.

Beim Auffahren auf die Autobahn hupt der Lkw von hinten und setzt die Lichthupe. Das sorgt für einen kurzen Schockmoment am Lenkrad des Tesla Model 3, dem kurz darauf Entspannung folgt. Francis, der Fahrer des belgischen Lkw, signalisiert mit zwei gestreckten Daumen: tolles Auto, dieser Tesla!

So wird klar: Kein Auto erregt derzeit so viel Aufsehen wie der Tesla Model 3, obwohl es in Deutschland noch nicht einmal zu kaufen ist. Für das Kompaktmodell des US-amerikanischen Herstellers liegen weltweit 400.000 Reservierungen vor. In Europa wird das Auto laut Herstellerangaben aber erst im ersten Halbjahr 2019 verfügbar sein. Tesla arbeitet derzeit daran, das Model 3 für den europäischen Markt zulassungsfähig zu machen.

Der in Neuss beheimateten Autovermietung Arndt ist es schon jetzt gelungen, den Tesla Model 3 legal auf deutsche Straßen zu bekommen. Möglich wurde dies durch eine so genannte Betriebserlaubnis für Einzelfahrzeuge. Dabei stellte die Beleuchtung des Model 3 die größte Hürde dar. Zum einen, weil die Beleuchtung des Wagens komplett über Computersoftware erfolgt, zum anderen, weil das Fahrzeug mit einer Nebelschlussleuchte nachgerüstet werden musste. Diese ist bei den Arndt-Fahrzeugen eine Notlösung.

Die Einzelzulassung ermöglicht es der Firma Arndt nun, das Fahrzeug auch an Privatpersonen zu vermieten. „Seit April verfügen wir über drei Fahrzeuge, die bis Juli von Unternehmen der Automobilindustrie zu Testzwecken gemietet wurden“, sagt Matthias Molzberger von der Firma Arndt. „Durch die Einzelzulassung kann einer der Wagen jetzt auf öffentlichen Straßen gefahren werden.“ Gemietet werde der Wagen derzeit vor allem von Personen, die bereits ein anderes Tesla-Modell fahren oder bereits eine Anzahlung für das Model 3 geleistet haben, sagt Molzberger, der den Rummel um Tesla-Produkte mit dem um die Marke Apple vergleicht. Noch-Einzelstück und Tesla-Hype hin oder her: Bei einem Elektroauto-Anteil von 0,1 Prozent an allen in Deutschland zugelassenen Pkw hat der Tesla Model 3 auf jeden Fall den Reiz des Besonderen inne.

Das fängt schon mit dem Aufschließen des Wagens an. Hierfür muss eine Plastikkarte an den Türholm gehalten werden. Bis sich das Fahrzeug jedoch öffnet, vergehen bei ungeübten Fahrern mehrere Minuten. Gewöhnungsbedürftig ist auch der Innenraum. Alle Informationen, die für den Fahrer wichtig sind, liefert ein großer Bildschirm in der Mittelkonsole. Von dort aus werden auch nahezu alle wichtigen Funktionen gesteuert, zum Beispiel die Einstellung der Außenspiegel, die Assistenzsysteme und der Autopilot, das Radio, die Heizung und sogar die Verriegelung des Handschuhfachs. Bis auf zwei Regler am Lenkrad und Schaltern für die Tür-Entriegelung ist der Tesla völlig frei von Schaltern. In Bewegung setzt sich das Model 3 wie ein übliches Auto mit Automatikgetriebe: Steht die Getriebestufe auf „D“ und ist die Bremse gelöst, kann es los gehen.

Zurückhaltendes Gasgeben ist wichtig, denn bei Elektroautos steht die volle Leistung nicht erst bei hohen Motordrehzahlen, sondern immer bereit. Was noch gewöhnungsbedürftig ist: Neben dem Motorgeräusch fehlt das Ruckeln beim Gangwechsel und das Lupfen des Gaspedals gibt einem das Gefühl, der Tesla würde bremsen. Rund 480 Kilometer schafft der Tesla mit einer Akkufüllung – ohne dass man sich mit dem Gasgeben zurückhalten müsste.

Glaubt man der Anzeige für die Reichweite in Kilometern, macht es kaum einen Unterschied, ob der Tesla im Stadtverkehr mitschwimmt oder mit 140 Kilometern pro Stunde auf der Autobahn unterwegs ist. Etwa 15 Kilowattstunden an elektrischer Energie verbraucht das Model 3 auf 100 Kilometern. Wird der Wagen daheim aufgeladen, kostet das etwa vier Euro. Zum Vergleich: Ein Kompakt-Pkw verbraucht nach Herstellerangaben ungefähr Benzin für 9 Euro auf derselben Strecke.

Der Nachteil beim Tanken: Es dauert länger. Selbst an einem „Tesla-Supercharger“ rund eine Stunde. Und: Noch sind Elektro-Zapfsäulen rar gesät. Der Versuch der NGZ, an einem Aldi-Markt in Kaarst zu tanken, scheiterte nicht nur am fehlenden Adapter (weil der Wagen eben noch der US-Norm entspricht), sondern auch daran, dass die „Zapfsäule“ gerade besetzt war.

Immerhin: Die Resonanz auf das Elektroauto ist positiv. Maik Schneider begutachtet den Tesla Model 3 beim missglückten Tankversuch genau. „Ich überlege ernsthaft, mir den Tesla zuzulegen. Ich finde die Option auf den Autopiloten sehr interessant. Und der Tesla ist mal was anderes als ein BMW oder Audi.“

Mehr von RP ONLINE