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Neuss/Düsseldorf: Autotrickdieben droht lange Gefängnisstrafe

Neuss/Düsseldorf : Autotrickdieben droht lange Gefängnisstrafe

Am Düsseldorfer Landgericht hat am Freitag der Prozess gegen vier mutmaßliche Autotrickdiebe aus Neuss und Düsseldorf begonnen. Bei angeblichen Verkaufsgesprächen sollen sie die Autoschlüssel ausgetauscht haben.

Die Männer und Frauen im Alter zwischen 33 und 46 Jahren sollen zwischen März und Juni dieses Jahres mit Hilfe des simplen Tricks etliche Autos gestohlen haben. Jetzt muss sich das aus Belgrad und dem Kosovo stammende Quartett wegen bandenmäßigem Diebstahl, Betrug und Urkundenfälschung verantworten.

Zum Prozessauftakt wollten sich die vier Angeklagten zu den Vorwürfen noch nicht äußern. Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten sich zwar unmittelbar nach Verlesung der Anklage zu einem "Rechtsgespräch" hinter verschlossenen Türen zurückgezogen, eine Einigung gab es hier jedoch nicht. Denkbar wäre gewesen, dass die Angeklagten die Taten eingestehen und so einen langen Prozess überflüssig machen. Dafür hätte das Gericht ihnen einen Strafrabatt gewährt - letztlich lagen die Vorstellungen der Beteiligten aber zu weit auseinander.

Jetzt soll mit Hilfe von Zeugen geklärt werden, was den vier Männern und Frauen tatsächlich nachgewiesen werden kann. Laut Staatsanwaltschaft jedenfalls soll das Quartett eine Menge auf dem Kerbholz haben. "Spätestens im März hat sich die Gruppierung zusammengeschlossen, um fortwährend Straftaten und Verbrechen zu begehen", so der zuständige Staatsanwalt Christian Haßelmann, "die einzelnen Angeklagten sind bei ihren Taten arbeitsteilig vorgegangen."

So sei die Bande ab März immer wieder in verschiedenen Autohäusern erschienen. "Hier hat man sich als Kunden ausgegeben und den Händler ein Interesse an Fahrzeugen der Marken BMW und Mercedes vorgetäuscht." Ziel der Bande sei es gewesen, sich im Rahmen des Verkaufsgesprächs den Originalschlüssel des Wagens aushändigen zu lassen, um beispielsweise einmal kurz den Kofferraum zu öffnen. Bei dieser Gelegenheit soll ein weiteres Bandenmitglied den Verkäufer kurz abgelenkt haben, so dass seine Komplizen den Originalschlüssel gegen eine Kopie tauschen konnten. Anschließend soll die Bande die Autohäuser verlassen haben.

Nachts kehrten die Beteiligten dann laut Anklage zurück, um mit dem Originalschlüssel die Autos vom Hof zu fahren. "Die Wagen wurden meist in der gleichen Nacht noch nach Düsseldorf gebracht und hier weiterverkauft." Geschädigt wurden unter anderem Autohäuser in Korschenbroich, Neuss, Viersen und Düsseldorf. Der Wert der gestohlenen Autos: Knapp 100.000 Euro.

Die Polizei geht sogar von einer Vielzahl weiterer Fälle aus. Diese sind allerdings nicht Bestandteil der Anklage. Laut Staatsanwaltschaft soll die Bande zudem versucht haben, durch betrügerische Leasing-Geschäfte in den Besitz von Luxus-Autos zu kommen. So sollen die vier Beteiligten in verschiedenen Autohäusern in der Region erschienen sein und hier gefälschte Ausweise und Gehaltsnachweise vorgelegt haben. "Die angeklagte Frau beispielsweise hat einen finnischen Pass präsentiert und sich als Magdalena Meier ausgegeben", so Staatsanwalt Christian Haßelmann. In drei Fällen soll die Bande Leasingverträge für den Kauf von Fahrzeugen abgeschlossen haben, bevor die Autos ausgeliefert wurden, wurden die Männer und Frauen allerdings von der Neusser Polizei verhaftet.

Jetzt vor Gericht drohen den Männern und Frauen, die teilweise bereits vorbestraft sind und längere Zeit in Haft gesessen haben, weitere, langjährige Gefängnisstrafen von bis zu zehn Jahren.

Das Urteil soll spätestens am 23. November verkündet werden.

(NGZO)