Autoriese BMW sieht im kleinen Neusser Versicherer Innovationspartner

Großer Coup der kleinen Versicherungsgruppe aus Neuss: BMW verkauft bundesweit Rheinland-Policen

Die Neusser Versicherungsgruppe und der bayerischer Autobauer unterzeichnen eine Absichtserklärung zur Kooperation bis 2024.

Ob im schicken Rheinland-Haus am Bahnhof schon die Sektkorken knallen, ist unbekannt. Anlass zur Freude gibt es im vom Stararchitekten Christoph Ingenhoven konzipierten „Kristallpalast“ aber allemal. Der mit bundesweit 0,3 Prozent Marktanteil kleine Versicherer aus Neuss steht vor einem großen Coup: Er wird ab Mitte des Jahres neuer Partner der BMW Bank und somit beim renommierten Automobilhersteller exklusiver Anbieter von Versicherungsprodukten zur Absicherung von Leasing- oder Finanzierungsverträgen. Handelsübliche KfZ-Versicherungen sind nicht Bestandteil der Kooperation.

Die Rheinland AG tritt beim Autobauer aus München damit die Nachfolge von Branchenprimus Allianz an; 20 Prozent Anteil am deutschen Markt. Die ausverhandelte Zusammenarbeit wurde am Mittwochmorgen öffentlich. In einer so genannten Ad-hoc-Mitteilung, zu der börsennotierte Aktiengesellschaften verpflichtet sind, heißt es, dass der Neusser Versicherer über seine Töchter Rheinland Versicherungs AG und Credit Life AG eine Absichtserklärung (Letter of Intent) mit der BMW Bank GmbH unterzeichnet habe. Es werde eine fünfjährige Laufzeit bis 2024 angestrebt. Im Falle eines Vertragsabschlusses erwarte die Rheinland-Gruppe ein Beitragsplus von zirka 5 bis 8 Prozent pro Jahr – bezogen auf die Beitragseinnahmen 2017. Insider halten es gar für möglich, dass sich das Beitragsvolumen durch die Kooperation mit BMW um „bis zu 50 Millionen Euro“ jährlich verbessert, was einer Umsatzsteigerung von rund fünf Prozent entsprechen würde. Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr legte die Rheinland bei den Prämien kräftig zu: Die Einnahmen stiegen um 31,3 Millionen Euro (plus 6,2 Prozent) auf 538,2 Millionen Euro. Das Wachstum im deutschen Versicherungsmarkt betrug im Vergleichszeitraum nur 2,1 Prozent.

Die Rheinland Versicherungsgruppe hat einen Lauf. Bei den Neussern überschlagen sich derzeit die guten Nachrichten. Bereits am Freitag hatte das Unternehmen eine Ad-hoc-Meldung veröffentlichen müssen. Der Grund: Das Jahresergebnis wird vermutlich besser als geplant ausfallen. Das sechsprozentige Wachstum liegt deutlich über dem Marktschnitt von zwei Prozent. Das sich abzeichnende Konzernergebnis 2018 von 19 Millionen Euro vor Steuern liege zwar unter dem Vorjahr (20,1 Millionen), aber über über den Planzahlen von 15 bis 17 Millionen Euro vor Steuern.

Mit ihrem BMW-Abschluss hat die Rheinland ihre Mitbewerber ausgestochen. Darunter neben der Allianz auch die Ergo, Axa und BNP Paribas Cardif. Künftig bieten BMW-Händler und -Niederlassungen ihren Autokäufern Rheinland-Policen an, um Leasing- und Finanzierungsverträge abzusichern. Der Mehrwert für den Hersteller: Er verdient an der Provision, wichtiger noch: Er bindet den Käufer über die Versicherung stark an die Marke – im konkreten Fall BMW – und sorgt so dafür, dass die Werkstätten der Vertragshändler besser ausgelastet werden.

Die „Rheinländer“ dürfen sich über den Einstieg bei BMW freuen. Was im jüngsten Aktionärsbrief nüchtern und bescheiden klingt („Damit können wir unsere gute Position in diesem Geschäftssegment weiter festigen und ausbauen“), ist der Lohn für klare Strategie in einem kleinen, aber profitablen Segment des Versicherungsgeschäftes: bessere Produkte, effektivere Prozesse, beweglicheres Management. Vorstand Christoph Buchbender selbstbewusst: „In unserer Nische sind wir besser als andere.“ Sein Vorstandskollege Andreas Schwarz ergänzt: „Wir freuen uns, dass wir mit maßgeschneiderten Versicherungslösungen eine der führenden Automobilbanken überzeugen konnten.“ Auf eine Innovationspartnerschaft setzt Hans-Peter Mathe von der BMW Bank: „Nur so können wir unseren Kunden optimale, individuelle Produktlösungen anbieten.“

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