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Neuss: Autohaus-Mord: Angeklagter soll Kundengelder veruntreut haben

Neuss : Autohaus-Mord: Angeklagter soll Kundengelder veruntreut haben

Mit der Vernehmung zahlreicher Zeugen ist am Düsseldorfer Landgericht jetzt der Prozess um die Ermordung eines Neusser Autohaus-Kunden fortgesetzt worden. Unter anderem wurden mehrere Kollegen des angeklagten Autoverkäufers vernommen. Sie beschrieben den 29-jährigen Familienvater aus Dormagen als "sehr guten Verkäufer", deckten aber gleichzeitig auch Unregelmäßigkeiten auf.

"Die Kollegen haben den Mann als hilfsbereit, freundlich und nett bezeichnet", erklärte die zuständige Staatsanwältin Britta Schreiber nach der Zeugenvernehmung, "als Verkäufer sei er erfolgreich gewesen, er habe gute Zahlen abgeliefert."

Gleichzeitig wurden aber durch die Zeugenvernehmungen auch Unregelmäßigkeiten bei der Arbeit des Familienvaters aufgedeckt. Um eigene Schulden begleichen zu können, soll Mustafa B. immer wieder Bargeld von Kunden angenommen haben. "Er soll eine Art Schneeballsystem aufgebaut und die entstandenen Löcher jeweils durch frisches Geld anderer Kunden gestopft haben", so Schreiber.

Im dem betroffenen Autohaus waren die Machenschaften des Dormageners zunächst offenbar nicht aufgefallen. Denn auch im Fall des später ermordeten Berthold Franzmann soll Mustafa B. eine Anzahlung von knapp 10.000 Euro für die Bestellung eines Neuwagens kassiert haben — ein eigentlich absolut unüblicher Vorgang, wie die Kollegen des Angeklagten jetzt als Zeugen im Prozess berichteten.

Ohnehin war der 29-Jährige laut Ermittlungen nur per Zufall mit dem späteren Opfer in Kontakt geraten. "Eigentlich war Mustafa B. für den Verkauf von Fiat-Neuwagen zuständig, er hat am Tattag bei Dacia lediglich ausgeholfen", so die Staatsanwältin.

Die Anwälte des Angeklagten kritisierten derweil die Vernehmungsmethoden der Polizei. So soll der 29-Jährige nach seiner Festnahme im Juni nicht ausreichend über die Möglichkeit informiert worden sein, frühzeitig einen Anwalt hinzuzuziehen. "Wir stellen deshalb die Verwertbarkeit der Vernehmungen in Frage", so Verteidiger Rüdiger Deckers.

Der Prozess soll in der nächsten Woche fortgesetzt werden. Das Urteil ist für Januar geplant.

(NGZ)