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Neuss: Auswanderer erleben Umsturz

Neuss : Auswanderer erleben Umsturz

Gisela und Markus Schütz sind von Neuss nach Mahdia in Tunesien ausgewandert. Sie bauten in dem Ferienort einen Minigolf-Platz auf. Ein Jahr nach der Eröffnung brach im Januar die Revolution aus. Jetzt fehlen die Touristen.

Neuss/Mahdia An Weihnachten war die Welt für Gisela und Markus Schütz noch die alte. Sie verbrachten die Feiertage im winterlichen Neuss bei Verwandten. Das Paar war zu Besuch aus Tunesien gekommen. Anfang 2010 hatten die beiden ihren Lebensmittelpunkt dorthin verlegt – begleitet von Kamerateams des Fernsehsenders VOX für die Serie "Goodbye Deutschland! Die Auswanderer".

Doch als sie am 9. Januar aus Deutschland nach Mahdia zurückkehrten, hatten sie noch nichts von den Unruhen in Tunis und anderen Städten des nordafrikanischen Landes mitbekommen – und wussten deswegen auch nicht, dass ihre Maschine eine der letzten aus Deutschland sein sollte. "Wir hatten schlichtweg keine Zeit gehabt, über Weihnachten Nachrichten zu schauen", sagt Markus Schütz rückblickend. Die Proteste richteten sich gegen den tunesischen Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali und dessen autoritäre Herrschaft seit 1987. Erfolgreich – denn Ben Ali floh am 14. Januar ins Exil.

Es habe keine Gefahr bestanden

Die Unruhen und Demonstrationen veranlassten alle deutschen Reiseveranstalter, Touristen binnen weniger Tage aus Tunesien auszufliegen. "Unser Geschäft wurde durch die Revolution ausgebremst – obwohl die Lage hier vor Ort ungefährlich war und auch blieb", meint Markus Schütz. Zu keinem Zeitpunkt sei es für die Touristen problematisch gewesen, viele hätten deshalb ihren Urlaub gerne fortgesetzt. "Aber das ging nicht, weil sie sonst nicht mehr nach Hause gekommen wären." Der 50-Jährige habe Verständnis, dass manche weg wollten. "Unsere Eltern hätten uns sicher auch lieber im sicheren Neuss gewusst." Das tunesische Personal hingegen sei froh gewesen, dass die beiden nicht auch das Land verlassen hätten.

Die Hotels sind seit Januar verwaist. Dennoch lässt die aktuell friedliche Aufbruchstimmung auch die 41-jährige Gisela Schütz optimistisch sein: "Wir glauben fest daran, dass mit Saisonbeginn im April auch wieder Linienflüge stattfinden werden und so die Revolution zum richtigen Zeitpunkt kam."

Stolz sind sie vor allem, fern der Heimat das Geschäft mit dem Minigolf-Platz aufgebaut zu haben. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Umsatz im ersten Jahr. Wir hatten mehrere tausend Gäste auf dem Minigolfplatz und in dem Clubhaus", sagt Markus Schütz. Sie wollen am Konzept festhalten – und am guten Gefühl zu Tunesien.

(NGZ)