Ausstellung auf Schloss Reuschenberg

Ausstellung auf Schloss Reuschenberg: Des Künstlers Wunderkammern

Eine Ausstellung auf Schloss Reuschenberg mit dem Titel „Wunderkammer“ zeigt Arbeiten des Italieners Giancarlino Benedetti Corcos und der Niederländerin Claudia Volders. Immer mittwochs ist eine Besichtigung möglich.

Ein Zufall war es, der die Vorsitzende der Kunstinitiative „Wurzeln und Flügel“, Beate Düsterberg, und die niederländische Künstlerin Claudia Volders zusammengebracht hat. Ein Besuch in Maarstricht mit Führung durch Volders, die Besichtigung einer Arnbeit von ihr auf einem Schloss und schließlich der Besuch des Ateliers der Künstlerin: Das alles hat Düsterberg so eingenommen, dass sie Volders eingeladen hat, auf Schloss Reuschenberg die derzeitige Ausstellung zu ergänzen.

Im Alltag dem Künstler Corcos aufgefallen: die „Fleischverkäuferin“. Foto: Helga Bittner

„Wunderkammer“ ist ihr Titel, und der passt auch zu den Arbeiten der Niederländerin, die in ihren Arbeiten die „Wunderkammer“ Mensch thematisiert. Volders ist durchdrungen von der Idee, dass es überall Verbindungen gibt: zwischen den Dingen, zwischen Mann und Frau, zwischen den Materialien, die sie in ihrer Kunst verwendet. Sichtbar wird dies mit deckenhohen Arbeiten, die wie japanische Rollbilder herabhängen.

Ein „Tulpenfeld“ von Giancarlino Benedetti Corcos. Foto: Helga Bittner

Zwei Tücher hat sie übereinandergelegt, bemalt, bekritzelt mit Gesprächsfetzen, die zwar für den Betrachter nicht erkennbar sind, aber eine seltsame Energie aussenden. Die Tücher wurden getrennt, das zweite Bild mit dem „durchgedrückten“ zu etwas Neuem gemacht. So erwächst förmlich aus der „Urmutter“ ein männliches Geschlechtsteil, das auf ein Liebespaar verweist. Volders Arbeitsmittel sind Pinsel, Schwamm und vor allem die Hände: „Ich muss bewegen, spüren, was da entsteht“, sagt sie und lacht.

Geometrische und natürliche Formen ergeben bei ihr keinen Kontrast, sondern scheinen schlicht zusammenzugehören – was vor allem beim „Warrior of the Womb“ (Krieger/Beschützer des Bauches) sichtbar wird. Oder bei einem titellosen Bild, das die Dynamik eines entstehenden Lebens zeigt. Ohne zu wissen, wo es enden wird.

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Volders Arbeiten sind raffiniert und durchdacht zugleich, die anderen in dieser „Wunderkammer“-Ausstellung hingegen wirken fast naiv. Eine Einschätzung, die dem Künstler Giancarlino Benedetti Corcos vermutlich gefallen würde. Der 60-Jährige „haut spontan eine Leinwand“ an die Wand“, wie Düsterberg lachend erzählt, und malt darauf zum Beispiel eine „Fleischverkäuferin“, bei der er gerade eingekauft hat. Corcos’ Farbwahl passt jeweils ideal zum Titel, allerdings zeigen seine Arbeiten auch immer wieder, dass er sich von großen Geistern inspiriert und dem Wort verpflichtet fühlt: Mal zitiert er, mal wirft er dem Betrachter nur den Namen entgegen: Kleist, Schnitzler, Kepler.

So unkompliziert wie seine Bilder scheint Corcos auch im Umgang zu sein. „Er hat mir gerade erst ein Bild für die Ausstellung zugeschickt“, sagt Beate Düsterberg, „als zusammengefaltete Leinwand in einem Umschlag.“ Für „Ghosts“ hat sie passenderweise eine Ecke gefunden, für „Swimmingpool“ ist es der Boden, auf dem die Leinwand liegt. Kein einziges Bild ist gerahmt, selbst die Originalzeichnungen zum Buch „Das Erwachen des jungen Giacomo“ haben nur einen kleinen Rahmen: Der Betrachter sollte schon aufpassen, dass sie ihm nicht entgehen. Was schade wäre.

Info Besichtigung immer mittwochs von 15 bis 18 Uhr nach Vereinbarung unter 02131 4053580

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