Ausprobiert: Auf dem Rundwanderweg A 1 durch die Nordstadt von Neuss

Auf dem Wanderweg A 1 durch den Norden von Neuss : Und ewig rauschen die – Autos

Ausprobiert: Auf dem Rundwanderweg A 1 durch die Nordstadt und zum Stingesbach – den keiner zu kennen vorgibt.

Wo bitteschön fließt der Stingesbach? Auf dem Kartenblatt, das auf der Internetseite des Eifelvereins schnell gefunden und ausgedruckt ist, liegt der Fall klar: Westlich der Bolssiedlung. Doch dort angekommen, schweift der Blick über eine bestenfalls feucht zu nennende Bruchlandschaft. Da gluckert, fließt und strömt nichts. Soll das Ziel und Scheitelpunkt des Rundwanderweges A 1 sein? „Der Stingesbach?“, sind zwei Spaziergänger auf ihrer Samstagsnachmittagsroute überzeugt, „der fließt doch irgendwo dahinten.“ Und sie wedeln mit der Hand unbestimmt in die Richtung, aus der der Wanderer gekommen ist. Dort rauscht es in der Tat, doch dieses Geräusch kommt von der Autobahn – und ist der ständige Begleiter auf diesem Wanderweg in der Nordstadt.

Elf Wanderwege hat der Eifelverein im Stadtgebiet in beide Richtungen markiert, in Wanderkarten übertragen und digital im Internet „hinterlegt“. Vier führen durch die Nordstadt, für drei von ihnen ist der Parkplatz Jröne Meerke Start- und Zielpunkt. Der A 1 scheint der interessanteste von ihnen. Er führt hinaus in die freie Landschaft, ins Grüne, wie die arg ramponierte Infotafel am Ausgangspunkt zeigt. Aber an deren Zustand arbeitet der Verein unter dem Vorsitz von Karlheinz Irnich schon. So wie er auch an der Überprüfung der Streckenführung seiner Wanderwege arbeiten will.

Das mit dem Grün stimmt schon. Denn schon wenn man „Beckers Kastanie“, einen über 100 Jahre alten Baum mit – wie es scheint - sechs Stämmen passiert und die Viersener Straße Richtung Norden überquert hat, verschwindet der Wanderweg in dem Grünstreifen zwischen Christian-Schaurte- und Oellerstraße. Den Einstieg zu verpassen ist fast nicht möglich, denn die Wegewarte  um Charles Jacoby haben mit Markierungen nicht gegeizt. So ist auch das Kartenblatt schnell verzichtbar.

Doch der Grünstreifen ist kurz. Dahinter muss man „Pflaster treten“: Nach links, um die Kita „Lange Hecke“ herum und in die Feldstraße und auf dieser – das Schild Sackgasse gilt für Wanderer nicht – vor bis zur Kaarster Straße. Erst wenn diese in östlicher Richtung überquert ist, wird es wieder stiller, denn der Weg folgt jetzt dem Grünzug zwischen Daimler- und und Mühlenbachstraße. Nur das Autobahnrauschen bleibt – aber jetzt dringt es von der A 52 herüber.

Auf diesem Stück sind viele Spaziergänger unterwegs. „Wir gehen hier oft spazieren“, sagt eine Frau aus einer Hundesportgruppe. Dass sie auf einem Rundwanderweg unterwegs sind, ist keinem bewusst. Kurz nachdem linkerhand die Häuser zurückgeblieben sind, teilt der sich sogar. Der „A 2“ bis hierhin treuer „Begleiter“, führt weiter geradeaus, die „1“ zweigt links ab ins freie Feld. Auf lehmigen Grund geht es weiter. Nach Regen ist das hier eine Seenplatte.

Geradeaus steuert man auf die Autobahn zu, doch schon am nächsten Abzweig geht es rechts ab und über die zweigleisige Bahnstrecke und unter Hochspannungsleitungen hindurch. Darüber: startende Flugzeuge. Doch das Bild wandelt sich, als man am Wegende den Bestand einer Baumschule umrundet und schon am nächsten Abzweig nach links ins Landschaftsschutzgebiet eintritt. Federnden Schrittes geht es vor bis zu den ersten Häusern der Bolssiedlung und dann rechts durch den Bruch. Maschendraht ist jetzt der Begleiter.  Ihm folgt man und läuft direkt auf den Bahndamm zu, bis sich kurz vor dem Ende des Weges nach rechts ein schmaler Stich auftut. Bei der Bahnunterführung geht es zweimal nach links, durch die Kleingärtner-Anlage „Gartenfreunde“ und am Bolzplatz rechts. Jetzt geht es nur noch geradeaus, über den Further Kirmesplatz hinweg und in die Straße am Jröne Meerke hinein. Als das links in den Blick kommt, ist eine Entscheidung fällig: Ein Ehrenrunde um den See? Nein, heute direkt zum Auto.