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Neuss: Aus der Krise nach Neuss gerettet

Neuss : Aus der Krise nach Neuss gerettet

Die Arbeitslosigkeit war in der Euro-Zone noch nie so groß wie derzeit. Hauptgrund dafür ist die wirtschaftliche Lage in Ländern wie Griechenland. Wie viele Griechen hat sich auch Christina Papadopoulou entschlossen, die Heimat zu verlassen. Sie träumt von einer neuen Chance in Neuss.

Fünf aus ihrer alten Klasse hatten es schon getan, hatten die Sachen gepackt und der krisengeschüttelten Heimat Griechenland in Richtung Deutschland den Rücken gekehrt. Dann kam der Tag, an dem sich auch Christina Papadopoulou mit ihrem Lebensgefährten diesem Exodus anschloss. Zermürbt von zwei Jahren Arbeitslosigkeit, machten beide Hausrat, Auto und Motorrad zu Geld und sich mit einigen Koffern auf den Weg nach Norden, um in Deutschland einen Neuanfang zu wagen.

In Neuss. "Aber das war eher Zufall", bekennt die 32-Jährige. Wie fast immer in Krisenzeiten fliehen auch derzeit wieder Menschen vor der wirtschaftlichen Depression in ihrem Land. Und oft sind es die Jungen, gut Ausgebildeten, die ihr Glück in der Ferne suchen. Menschen wie Christina Papadopoulou, die in einer Athener Computerfirma für Software-Entwicklung gearbeitet hatte. Die Firmen, für die sie Programme schrieb, machten der Reihe nach zu, und irgendwann konnte ihr Chef auch sie nicht mehr bezahlen. Der Kündigung folgten zwei Jahre, in denen sie sich als Küchenhilfe über Wasser hielt. "In Griechenland gibt es keine Perspektive", ist sich Papadopoulou sicher. Nicht für sie, aber auch nicht für ihr Land.

Es habe ja genug Experten gegeben, die einen Wandel in Wirtschaft und Politik Griechenlands angemahnt haben, erinnert sie sich. "Aber keiner hat hingehört." Und weil Griechenland noch immer nicht die "richtigen Leute gefunden hat, die das Land nach vorne bringen", ist ihre Prognose für ihre Heimat so pessimistisch und die Auswanderung unumkehrbar. "Das Thema Griechenland ist für mich durch." Aber, wohin? Bevor die Griechin aufbrach, schrieben sie und ihr Freund Bewerbungen in (fast) alle Gegenden dieser Welt. Doch nur aus Deutschland erhielt ihr Freund, ein diplomierter Koch, eine Zusage.

Damit waren die Würfel gefallen, und Christina Papadopoulou um eine Erfahrung reicher. Nicht sie als Computerexpertin war gefragt, sondern der Handwerker, der Koch. Die Vorbehalte gegen Deutschland, die das Bild in der öffentlichen Meinung ihres Heimatlandes prägten, ließen Papadopoulou unberührt. Sie hatte kein Deutschlandbild, und was sie bisher kennengelernt hat, spricht sie eher an. Doch vorurteilsfrei erlebt sie deutsch-griechische Begegnungen auch nicht. Zum Beispiel, als ihr Freund nach nur einem Monat im Job in Köln mit seinem Chef aneinandergeriet, der den "Wirtschaftsflüchtling" für erpressbar hielt.

Oder als beide dem Rat einer Tante folgten, nach Neuss kamen und an einen Vermieter gerieten, der Griechen Räuber nannte und auf größeren Sicherheiten bestand. Das war schon fast wie in der großen Politik. So wohnt Papdopoulou noch immer bei der Tante , doch sie glaubt an sich — und an Deutschland, dessen Sprache sie tüchtig büffelt.

(jco)