Neuss: Aus dem Landtag zurück zur Feuerwehr

Neuss : Aus dem Landtag zurück zur Feuerwehr

Der ehemalige Landtagsabgeordnete Lukas Lamla (Piraten) wird wieder Feuerwehrmann. Piraten in Neuss pausieren.

Die Internetseite der Neusser Piraten ermöglicht eine unverhoffte Zeitreise. Zum Piraten-Brunch im Juni 2016 wird dort eingeladen, gefolgt von ebenfalls längst veralteten Neuigkeiten aus dem NRW-Landtag. Damals, als die Piraten dort noch Mitglied waren. Alles Geschichte, aus und vorbei - ebenso wie das Wahlkreisbüro an der Erftstraße, das die Partei leergeräumt hat. "Seit 2012 waren wir im Dauersprint", sagt Lukas Lamla (34). Damals waren die Piraten mit beinahe sensationellen 7,8 Prozent der Stimmen in den Landtag eingezogen. Jetzt, fast ein halbes Jahr nach der verlorenen NRW-Landtagswahl im Mai 2017, ist die Partei in Neuss im Ruhemodus. Einen Direktkandidaten bei der Bundestagswahl gibt es im Wahlkreis 108 (Stadt Neuss) nicht - und plakatiert wird auch nicht. Als "Pause, um neue Kräfte zu tanken" beschreibt Lamla das. Dabei war die Quirinusstadt sozusagen eine Hochburg der verhältnismäßig kleinen und jungen Partei: Mit Lukas Lamla (34) und Joachim Paul (60) gehörten gleich zwei Neusser der Landtagsfraktion an.

Nach Joachim Paul, der nach seiner Zeit im Landtag wieder als wissenschaftlicher Referent beim Zentrum für Medien und Bildung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) tätig ist, hat sich nun auch Lukas Lamla dafür entschieden, in seinen Beruf zurückzukehren. "Ab 1. Oktober werde ich wieder bei der Feuerwehr Dormagen arbeiten", sagt der 34-Jährige. Dann beginnt auch für ihn das Leben nach dem Abenteuer Landtag. "Es war ja nie mein Plan, Berufspolitiker zu werden oder in den Landtag zu kommen", sagt Lamla. "Es war für mich vielmehr eine glückliche Fügung."

Er wird viel mitnehmen aus den vergangenen fünf Jahren. Vielleicht ist gerade das enorm spannend: Als Parlamentsneuling konnte er ab 2012 seine Erfahrungen aus seiner Zeit bei der Feuerwehr in politische Diskussionen einbringen - insbesondere dann, wenn es um ganz alltägliche Dinge ging. "Da wurde ich im Landtag dann auch schon mal als Feuerwehr-Beauftragter bezeichnet - und zwar nicht nur innerhalb meiner Partei." Jetzt trägt Lamla die Parlamentserfahrung ins Leben danach. Er kann erklären, wie Politik funktioniert.

Die Zeit nach der Wahl hat Lamla genutzt, um alles für den Wiedereinstieg in den Beruf vorzubereiten. Und er hat den entzerrten Terminkalender genossen. "Das Neusser Schützenfest nicht in offizieller Funktion, sondern einfach mit meinem Grenadierzug Nüss Globetrotters zu feiern, hat enormen Spaß gemacht", sagt er. Und er hat sich etwas Urlaub gegönnt. Mit einem Schuss Selbstironie sagt er: "Extravagant wie ich bin, ging es nach Holland ans Meer." Auf Texel hat sich Lamla erholt, dazu ist er noch etwas mit dem VW-Bus rumgereist. Jetzt freut sich der Brandmeister wieder auf den Berufsalltag mit seinen Kollegen von der Feuerwehr.

Ein politischer Mensch aber wird er bleiben. Die Pause der Piraten in Neuss soll schließlich kein Schlussstrich sein. Nach der Bundestagswahl möchte Lamla wieder Stammtische aus der Taufe heben. Im Grunde stehe die Partei wieder da, wo sie bereits vor der Landtagswahl 2012 gestanden hat. An einem Neustart möchte Lamla mitarbeiten - und dabei vorangehen.

(abu)
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