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Neuss: Aus Chile auf Heimatbesuch

Neuss : Aus Chile auf Heimatbesuch

Pfarrer Rolf Schnitzler stammt aus Neuss, lebt aber seit Mitte der 60er Jahre in Chile. Im Moment stattet er seiner Heimat mal wieder einen Besuch ab. Vieles habe sich hier verändert, sagt der Pfarrer.

Rolf Schnitzler war 15 Jahre nicht mehr in seiner Heimatstadt Neuss. Viel hat sich geändert, nur noch wenige Kontakte bestehen. Mit Eduard Rosen verbindet ihn aber eine Freundschaft, die weit über 50 Jahre andauert. "Wir kennen uns aus der Gemeinde Christ-König. Ich war damals Pfarrjugendführer, er Stammesführer der Pfadfinder", sagt Rosen. Für vier Wochen hat er Rolf Schnitzler bei sich zu Hause als Gast aufgenommen.

Schnitzler lebt in Chile, ist Pfarrer der Gemeinde San Ramón Nonato in Retiro, einer Kleinstadt 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago. Auf Einladung des Bischofs Francisco Valdez Subercaseaux reiste Rolf Schnitzler im Jahr 1965 in das südamerikanische Land. "Auf der Suche nach jungen Priestern besuchte der Bischof das Marianum", erzählt Schnitzler.

Er war damals kein Theologe, sondern als Sozialarbeiter am Gericht in Oberhausen für jugendliche Straftäter tätig. "Es war eine bestialische Arbeit, die psychische Belastung extrem", erzählt der 73-Jährige. Also reiste er neugierig nach Chile, und kam erst einmal nicht mehr zurück. Er studierte dort Psychologie und kam auf Vermittlung des Bischofs Francisco Valdez Subercaseaux an das Priesterseminar in Santiago. "In diesem Ambiente habe ich meinen Beruf gefunden", sagt Schnitzler.

In Retiro leben die meisten Menschen in Armut. Im Februar 2010 erschütterte ein Erdbeben die Region, bei dem auch die Hauptkirche der Gemeinde beschädigt wurde. Jetzt finden die Gottesdienste in einem Zelt statt. Trotzdem kommen die Katholiken und hören die Predigten von Pfarrer Schnitzler.

Rund 24 000 Seelen zählt seine Gemeinde. "Die Gottesdienste sind immer voll. Im Vergleich zu Deutschland sind das fantastische Verhältnisse", so Schnitzler. Der Gemeinde San Ramón Nonato gehören weitere 26 kleine Kapellen, in denen einmal im Monat eine Messe gefeiert wird. Die Arbeit teilt er sich mit einem Kaplan und zwei Diakonen.

Auf seiner Reise in die alte Heimat wird Schnitzler von seinem Sekretär José begleitet. Neben Ausflügen mit seinen Gastgebern, der Familie Rosen, besuchten sie unter anderem die Segnung eines neuen Fahrzeugs für die Malteser. Dort zeigte sich Kreisdechant Monsignore Guido Assmann ebenfalls interessiert an der Geschichte von Rolf Schnitzler.

Aus gesundheitlichen Gründen muss der 73-Jährige während seines Aufenthalts für drei Tage ins Etienne-Krankenhaus. Durch eine unbekannte Bakterie, die er sich durch einen Insektenbiss auf den Osterinseln zuzog, verlor er sein rechtes Bein. Bei seinem letzten Besuch in Neuss ließ er sich eine Prothese anpassen. Mit ihr kam er jedoch nicht zurecht – heute sitzt Schnitzler im Rollstuhl.

Am 10. September ist der Heimatbesuch vorbei. Dann fliegt Rolf Schnitzler zurück nach Chile.

(NGZ)