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Neuss: Augen zu, Ohren auf: Ein Gang durch Neuss

Neuss : Augen zu, Ohren auf: Ein Gang durch Neuss

Heute ist der Internationale Tag des Hörens. NGZ-Mitarbeiter Jascha Huschauer hat den Tag zum Anlass genommen, Neuss ausschließlich mit den Ohren zu erkunden. Die Geräusche der Stadt haben plötzlich eine ganz andere Bedeutung.

Mir wird langsam schwarz vor Augen, als ich mir den Schal um den Kopf wickele. Bis vor wenigen Sekunden konnte ich das bunte Treiben auf dem Münsterplatz noch begutachten. Ich sah das Quirinus-Münster, die Stände mir ihren Auslagen, Menschen mit gepackten Tüten und noch viel mehr. Doch nun sollen meine Augen Pause haben. Schließlich ist heute Tag des Hörens - am 3. 3., weil die Form der beiden Dreien an zwei Ohren erinnert.

 NGZ-Mitarbeiter Jascha Huschauer hat den Selbstversuch gemacht und Neuss und Umgebung nur mit den Ohren erkundet.
NGZ-Mitarbeiter Jascha Huschauer hat den Selbstversuch gemacht und Neuss und Umgebung nur mit den Ohren erkundet. Foto: Andreas Woitschützke

Doch was hört man eigentlich in Neuss? Wonach klingt die Quirinusstadt? Auf dem Wochenmarkt am Münsterplatz vor allem nach einem großen Gemurmel. Viele Unterhaltungen: "Guten Morgen." "Schönes Wetter heute." "Darf es sonst noch etwas sein?" "Bitteschön, schönen Tag noch." Tüten rascheln, Geld wird in Kassen einsortiert, was ein metallisches Klacken bewirkt. Ganz leise hört man ein Klingeln. Und ein zartes Rattern. Offenbar schiebt gerade jemand sein Rad an mir vorbei. Wegen der unebenen Pflastersteine schlägt der Klöppel immer wieder ganz leicht gegen die Klingel. Irgendwo im Hintergrund gibt es das dumpfe Geräusch einer geöffneten Kühlschranktür.

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Plötzlich wird mit Holz fest auf Stein geklopft. Aber ich kann es überhaupt nicht zuordnen. Ich ziehe den Schal von meinen Augen. Ein Mann klopft am Bordstein den Tabak aus seiner Pfeife. Ohne meine Augen zu benutzen, wäre ich niemals darauf gekommen. Viele andere Geräusche dagegen lassen sich ohne Augen, nur mit Hilfe der Ohren einordnen: das Auf- und Zumachen eines Kletterverschluss etwa, oder das selbstbewusste Klackern hochhackiger Schuhe auf dem steinernen Untergrund.

Die Überforderung kommt auf dem Weg zum Hauptbahnhof. Sich nur mit den Ohren zurechtzufinden, ist überhaupt nicht möglich. Zu wichtig ist es, auch sehen zu können, wo man hintritt. Aber die verbundenen Augen machen auch erst klar, wie wichtig das Gehör ist. Denn das Aufheulen eines Automotors, das Klingeln eines Radfahrers, die schrille Sirene eines Krankenwagens lassen sich ziemlich gut räumlich einordnen, wenn man nur hört. Kommt ein Auto von links oder von rechts? Das ist auch ohne Augen zu beantworten.

Idyllisch und gar nicht laut ist es dort, wo die Erft den Rhein begrüßt. Da klingt Neuss nach Meer. Möwen kreischen, das Wasser plätschert am Ufer. Im Wald lacht irgendwo ein Rabe. In der Nähe müssen ein paar Angler sitzen. Immer wieder höre ich das Surren der Angelschnur und das Platschen im Wasser, wenn der Köder eintaucht. Das Dröhnen der Schiffsmotoren ist deutlich zu vernehmen. Wenn die Schiffe vorbeigefahren sind, plätschern die Wellen viel lauter. Der Wind pfeift kräftig in den Ohren.

Wer aber ein unverwechselbares Neusser Geräusch finden will, der muss doch wieder zum Münsterplatz. In hellen Tönen erklingt dort täglich um 11, 15 und 17 Uhr das Glockenspiel am Vogthaus. Aber Neuss nur mit den Ohren wahrzunehmen - da fehlt dann doch was. Spätestens bei der Parade der Schützen, die zu den Klängen über den Markt marschiert.

(NGZ)