Neuss: Auftaktkonzert zeigt die Bandbreite des Jazz

Neuss : Auftaktkonzert zeigt die Bandbreite des Jazz

Drei Stunden bester Jazz mit zwei Bands: ein gelungener Start für "Blue in Green" in der Alten Post.

Wenn das kein gutes Omen ist für die Zukunft des immer wieder totgesagten Jazz: Das Doppelkonzert der Formationen "Magnolia" und "A.Tronic" bescherte Philipp van Endert zum Einstieg ins achte Jahr seiner erfolgreichen Konzertreihe "Blue in Green" in der Alten Post ein volles Haus und begeisterte Zuhörer. Sie bedankten sich nach drei Stunden nachdenklicher und mitreißender Musik mit Jubel und anhaltendem Applaus. Und wieder erwies sich: Die Mischung macht's.

Zwar stehen bei beiden Bands eine Sängerin, eigene Songs und der kluge Einsatz poetischer Texte im Zentrum, doch könnten "Magnolia" und "A.Tronic" unterschiedlicher kaum sein. Hier Jazz, dort Pop, hier ein feingliedriges Duo, dort ein kraftvolles Quintett, hier Verspieltheit und Transparenz, dort Geradlinigkeit und Dichte.

Auf welche Weise das Hand-in-Hand-Gehen bei einem gleichberechtigten Duo wie "Magnolia" abläuft, lassen Anne Hartkamp (Gesang) und Philipp van Endert (Gitarre) am schönsten in dem Stück "Moebious" erahnen. Da kann man mitverfolgen, wie van Endert mit einem Effektgerät kleinste Rhythmus- und Melodiepartikel sowie Akkordprogressionen in Loops übereinanderschichtet, die sich zu einem immer größer werdenden Sound aufbauen. Eine Schleife ohne Anfang und ohne Ende, auf der Hartkamps flexible Stimme singend und scattend reiten kann wie auf einer Welle.

Auch Standards oder Kompositionen ihrer musikalischen Helden bekommen bei Hartkamp und van Endert einen ganz eigenen Dreh. So auch "Twisted", ein Stück des amerikanischen Trompeters Dave Douglas, über dessen in rasenden Drehungen aufsteigende Trompetenlinien die Sängerin einen Text gelegt hat. Hartkamps passgenaue Lyrics bilden auch das Verbindungsglied zu "A.Tronic", einer Band des Bassisten André Nendza.Nendza, der mit der Popmusik der 1980er Jahre aufwuchs, kehrt in der Band nun zu diesen Wurzeln zurück, mit eingängigen Melodien und dem dynamischen Wechsel zwischen Strophe und druckvollem Refrain. Was "A.Tronic" dabei aus der Menge heraushebt, sind die rhythmische Finesse und harmonische Komplexität der Songs, die zum Teil von literarischen Texten inspiriert wurden. Möglich wird das alles erst durch die Besetzung mit hervorragenden Jazzmusikern.

Neben Nendza selbst spielen Andreas Wahl (Gitarre), Markus Segschneider (Gitarre und Pedal Steel) sowie Ulf Stricker (Drums). Erst vor einigen Wochen hinzugekommen ist die Sängerin Franziska Loos, die kürzlich bei André Nendza ihr Vorstudium Jazz absolviert hat und nun in Osnabrück Gesang studiert. Ein vielversprechendes Talent!

(NGZ)