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Neuss: Aufstieg und Fall des Ratsherrn Baum

Neuss : Aufstieg und Fall des Ratsherrn Baum

Die Hoistener CDU hat ihren bisherigen Vorsitzenden Karl Heinz Baum (78) abserviert. Der Aufstieg des Spätberufenen begann 1999; sogar Chef der Ratsfraktion war er. Jetzt naht das Ende. Eine Geschichte übers Loslassen zur rechten Zeit.

47,6 Prozent: Dieser Wert markiert den vermutlich letzten Wahlerfolg von Karl Heinz-Baum in Hoisten. Es war im Vergleich der 29 Wahlbezirke bei der Kommunalwahl 2014 das drittbeste Ergebnis für die CDU in der Stadt, untermauerte den Ruf des Ortsteiles als CDU-Hochburg und sicherte dem Stadtverordneten zum vierten Mal seit 1999 den direkten Einzug in den Stadtrat. Seit Donnerstag scheint die Fortsetzung dieses Weges mehr als fraglich. Sein eigener Ortsverband hat Baum als Vorsitzenden abgewählt. Ohne diesen Rückhalt ist es kaum vorstellbar, dass er 2020 im dann stolzen Alter von 81 Jahren noch einmal Direktkandidat wird - auch wenn darüber am Ende die Mitglieder entscheiden und nicht der nominierende Ortsverband.

Baum spricht von einem Komplott, den er "in diesem Ausmaß nicht für möglich gehalten hat". Nach 18 Jahren, in denen er für den Ort gute Ergebnisse erzielt und den Ortsverband gut geführt habe, wird er nun ansatzlos in die Wüste geschickt. Hauptgrund: sein Alter von demnächst 79 Jahren. Heinz Welter (70), der als Gegenkandidat um den Vorsitz antrat und siegte, setzte sich auch mit dem Versprechen durch, jüngere Anwärter für die Stadtverordneten-Wahl 2020 zu suchen.

Welter ist dabei "Wiederholungstäter" - ohne eigene politische Ambitionen. Im Februar 1999 war nach eigenen Angaben er es, der Baum als Nachfolger des damals 54-jährigen Dieter Franssen, Ratsherr von 1989 bis 1999, als Direktkandidat auf den Schild hob. Wenig später schied der Beamte und Gewerkschafter Baum als Vorruheständler aus den Diensten des Landes-Innenministeriums aus und durfte damit auch ein politisches Mandat wahrnehmen. In der CDU machte sich Baum als einflussreicher Planungspolitiker einen Namen - und errang mit seiner Kompetenz und seinem Bienenfleiß auch die Anerkennung der anderen Fraktionen. Aber das ist vielleicht auch ein Grund, warum ihm ein Loslassen schwer fällt. Zumindest sieht er niemanden, der das Amt besser ausfüllen könnte.

Solche Selbsteinschätzungen machen es der CDU schwer, eine Verjüngung ihrer Granden-Garde in den Gremien einzuleiten. Selbst jemand wie der neue CDU-Vorsitzende Jürgen Brautmeier, der "mit keinen Gruppen und Seilschaften verbandelt" ist, geht das Thema äußerst behutsam an - und genauso behutsam gegen "Ortsfürsten" a la Baum vor. Erfahrung sei wichtig, sagte er kurz nach seiner Wahl im März und: "Die Mischung macht's" Heißt: Auch wenn die 30- bis 50-Jährigen bei der CDU unterrepräsentiert sind, werden Ältere nicht einfach aufs Altenteil geschoben.

Den Wandel, den Brautmeier nur andeutet, versucht die CDU-Fraktion im Kreistag zu vollziehen. Damit sich Jüngere in ein Mandat einarbeiten können, sollen dort Ältere für ihre "Huckepack"-Kandidaten Platz machen. Die Notwendigkeit zu vermitteln, ist nicht einfach - und nicht immer erfolgreich. Doch manchmal gelingt es. So wird etwa Christian Will aus Kaarst, der gerade den Weg für eine Verjüngung im Regiobahn-Aufsichtsrat frei gemacht hat, Ende 2018 sein Kreistagsmandat vorzeitig abgeben, berichtet Heiner Cöllen vom CDU-Fraktionsvorstand.

In Hoisten, Speck-Wehl und Helpenstein wird der Wechsel von der Basis eingeleitet. Dass Baum noch einmal antritt, würden viele nicht wollen, sagt Welter. Zumindest Gisela Ortwein von der Bürgerinitiative "Windkraft Neuss" sieht das anders. Sie spricht von Altersdiskriminierung - und tritt aus der CDU aus.

(-nau)