Neuss: Aufregender Gitarrenjazz mit Bret Willmott in der Alten Post

Neuss : Aufregender Gitarrenjazz mit Bret Willmott in der Alten Post

Der Jazzgitarrist Philipp van Endert, dem Neusser Jazzfans die innovative "Blue In Green"-Reihe in der Alten Post verdanken, feiert wohl zur Zeit zwei Jahrzehnte Begegnungen. Vor kurzem musizierte er in der Alten Post mit Lajos Dudas – sie verbindet 20 Jahre intensive Partnerschaft –, nun war Bret Willmott in Neuss. Bei ihm hat Philipp van Endert am Berklee College of Music in Boston 1993 studiert und 1994 dort ein glänzendes Examen abgelegt.

Der Jazzgitarrist Philipp van Endert, dem Neusser Jazzfans die innovative "Blue In Green"-Reihe in der Alten Post verdanken, feiert wohl zur Zeit zwei Jahrzehnte Begegnungen. Vor kurzem musizierte er in der Alten Post mit Lajos Dudas — sie verbindet 20 Jahre intensive Partnerschaft —, nun war Bret Willmott in Neuss. Bei ihm hat Philipp van Endert am Berklee College of Music in Boston 1993 studiert und 1994 dort ein glänzendes Examen abgelegt.

Der Professor war bereits 2010 schon einmal in einem vielumjubelten Konzert Gast in Neuss, entsprechend voll besetzt war auch jetzt das Kulturforum Alte Post. Sein Gitarrenensemble "Bret's Frets" arbeitet im Kern seit zwölf Jahren zusammen: Neben Bret Willmott spielen Philipp van Endert und Christian Rover Gitarre, André Nendza Bass und Bassgitarre und Kurt Billker Drums. Dieses außergewöhnliche Gitarrenensemble legte schon beim Introtitel einen Jazzrock hin, der kaum Steigerungen erwarten ließ. In den Improvisationen wurden Brets Inspirationen vollendet übernommen. Das einzigartige Zusammenspiel eskalierte bei "Beat 70", bevor Christian Rover in dem fast lyrischen "Nadved" das Feuer rausnahm und seine Gitarre singen ließ.

Die meisten Titel stammen von Bret Willmott, der nicht nur aufregende Sounds kreiert, sondern vor allem durch revolutionäre Harmonik für extreme Spannung sorgt. Oft erzählt er balladeske Geschichten mit ausgeprägten Melodien wie in "Sub-Gourmet" — und endlich darf André Nendza zeigen, dass auch ein Bass herrlich swingen kann. Dazu passte wunderbar "Waltz for Andy" mit einem intimen Dialog zwischen Bass und Gitarre (Willmott). Die harmonischen Weiterungen machen erneut den fast traurigen Walzer zu einem atemraubenden Ereignis.

Selbst im Trio "White Cote" mit exzellent und rasend virtuos improvisierendem Philipp van Endert und grandios beherrschtem Schlagzeug (Kurt Billker) ringt — so will es scheinen — das Publikum nach Atem. Da tut die Pause nur gut, die das reine Gitarrentrio "Leapin' Lizards" beschert. Fast kokettierend werden barocke Spielfiguren Bret-harmonisch zwischen Free Jazz und Latin zu neuem Sound stilisiert.

Dass Bret Willmott seine reifen Kompositionen schlicht als "Song" bezeichnet, kommt seinem bescheidenen Naturell vermutlich entgegen. Schnell entzog er sich dem begeisterten Applaus des Publikums. Zwei Zugaben spielten "Bret's Frets" dennoch, beide Titel vermittelten noch einmal die Einzigartigkeit dieses hochkarätigen Gitarrenjazz.

(NGZ)
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