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Luftreinhalteplan: Aufgewirbelter Staub

Luftreinhalteplan : Aufgewirbelter Staub

Die IHK Mittlerer Niederrhein fürchtet um die Versorgung der Unternehmen im Hafen, wenn der Luftreinhalteplan umgesetzt wird. Doch ist der Lieferverkehr über die Batteriestraße wirklich das Problem? Es geht auch ums Prinzip.

Günter Haberland (56), geschäftsführender Gesellschafter des Logistikers Zietzschmann, sieht nicht aus, als wäre er leicht aus der Ruhe zu bringen. Er führt das Unternehmen an der Düsseldorfer Straße in dritter Generation, trägt Wildlederweste statt Anzug und im Aschenbecher, der im Besprechungsraum in der zweiten Etage vor ihm steht, hat sich die Marlboro-Asche zu einem kleinen Berg Feinstaub gehäuft. Gleich daneben liegt der daumendicke Entwurf für den Luftreinhalteplan, in dem es auch um Feinstaub geht. 55 Maßnahmen möchte die Bezirksregierung in Kraft setzen. Günter Haberland hält davon nicht viel.

5000 Unternehmen angeschrieben

"Völlig überzogen" findet er den Entwurf, der auf einer Stickstoffdioxid-Messung an der Friedrichstraße im Jahr 2006 beruht. Ein atypisches Jahr sei das gewesen.

Aufgeschreckt wurde durch den Luftreinhalteplan allen voran die IHK Mittlerer Niederhein, die um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Mitgliedsunternehmen bangt und gleich selbst eine Menge Staub aufwirbelte. Die Kammer schrieb 5000 Unternehmen an, um sie über den Entwurf des Luftreinhalteplans für die Stadt Neuss aufzuklären.

"Viele Unternehmer rufen an und fragen, was sie jetzt tun sollen", sagt Ilka Schmidtmann Ansprechpartnerin bei der IHK zum Thema Luftreinhalteplan.

Roland Meißner, Geschäftsführer der IHK und zuständig für den Bereich Innovation und Umwelt, hatte gewütet: "Insbesondere die zukünftige Sperrung der Batteriestraße für Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen Gewicht lehnen wir ab." Diese Straße sei die wichtigste Achse für die Ver- und Entsorgung des Hafens und der dort ansässigen Unternehmen.

Die wichtigste Achse? Die Firma Zietzschmann schickt am Tag 16 bis 20 Lastwagen los, um das Tempo-Werk am Hafen mit Zellstoff für die Taschentuch-Produktion zu versorgen. Die Sperrung der Batteriestraße ficht Günter Haberland nicht wirklich an. "Wir fahren über den Hafenring", sagt der Zietzschmann-Chef. Lediglich wenn der Ring zum Beispiel durch einen Unfall oder eine Baustelle dicht wäre, würde auch die Sperrung der Batteriestraße zum Problem. Ähnlich ist das Credo der Unternehmen mit Sitz an der Industriestraße: "Normalerweise fahren unsere Lkw über den Willy-Brandt-Ring", sagt Wilhelm Thywissen von der Ölmühle Thywissen. Ebenfalls entspannt gibt man sich bei Thomy und Walter Rau. Selbst Frank Wolters von der Neusser Wirtschaftsförderung meint: "Bislang sind bei uns noch keine Klagen angekommen" — auch wenn der Wirtschaftsförderer die Batteriestraße für eine "wesentliche Achse" hält. Im Falle einer Sperrung des Willy-Brandt-Rings glaubt Wolters, dass Ausnahmegenehmigungen möglich wären.

Günter Haberland dagegen meint, dass die Umweltzonen ohnehin nicht die gewünschte Wirkung erzielen. Das würde ein Blick auf andere Städte zeigen. Feinstaub würde auch durch Heizungen oder die Schornsteine der Kraftwerke produziert und von den Feldern verweht. Er meint: "Die Umweltzone ist doch nur ein Feigenblatt gegenüber der EU."

Zur Sache Aktionismus

(RP)