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Neuss: Auf "Schatzsuche" entlang des Rheins

Neuss : Auf "Schatzsuche" entlang des Rheins

Der Rheinpegel ist derzeit so niedrig wie noch nie in diesem Jahr. Das Wasser hat sich zurückgezogen und allerhandTreibgut liegengelassen. Spaziergänger können an diesen Tagen auf Schatzsuche gehen – und sich fühlen wie Piraten.

Es riecht nach Meer am Rhein, und der Sand mit den vielen Muscheln macht Fernweh. Halb im Sand verborgen, schon überwuchert von Grün, liegt sie, die Schatzkiste. Zwar nicht auf einer Insel, so wie bei Robert Louis Stevenson, sondern am Flussufer. Doch das Lied "Fünfzehn Mann auf des toten Mannes Kiste, jo-ho-ho und die Buddel voll Rum", das der Pirat Bill Bones in dem Klassiker singt, kommt dem Schatzsucher dennoch in den Sinn.

In der rostigen Kiste, die so fest im Boden liegt, dass sie sich nicht mehr anheben lässt, liegt allerdings kein Goldschatz – außer man zählt die vielen gelben Blumen dazu: Die haben den Kasten, an dem bei genauerem Hinsehen noch einige Kabel zu erkennen sind, völlig überwuchert.

Die "Buddel voll Rum" zumindest ist am Rhein leicht auffindbar. Von Bier über Schnapps – wer in Sichtweite der Hammer Brücke grillt, muss sich die tolle Aussicht zwar nicht schöntrinken, aber ohne Alkohol geht es offenbar nicht – so halten es schließlich auch die Piraten: "Dreizehn Mann saßen auf einem Sarg, das Fass voller Rum. Sie soffen drei Tage, der Schnaps war stark, jo-ho-ho und ein Fass voller Rum". Da wundert es nicht, dass an den ausgebrannten Lagerfeuerstellen am Rhein so manches Fässchen zurückgelassen wird.

Dass überhaupt so viele Schätze gehoben werden können an diesen sonnigen Tagen am Rhein, liegt am Pegelstand. Der fällt seit Tagen kontinuierlich, lag gestern in Höhe Düsseldorf bei 1,28 Meter. Auf Neusser Seite ist er – ganz gleich, ob das Wasser hoch oder niedrig steht – immer 80 Zentimeter höher. "Die Schiffsführer beobachten die Pegelstände sehr genau", sagt Thomas Düttchen, Sprecher der Neuss-Düsseldorfer Häfen. Denn je niedriger das Wasser steht, umso mehr müssen die Kapitäne auf den Tiefgang ihrer Boote achten. "Gerade bei schweren Gütern wie Kohle und Stahl muss jetzt genau gerechnet werden", sagt Düttchen. So habe der niedrige Pegelstand derzeit gerade nicht zur Folge, dass die Schifffahrt zurückgeht, "sie nimmt eher zu", meint der Experte. Denn schwere Güter müssen auf mehrere Schiffe verteilt werden, der Umlauf steigt. Das klappt, solange der Pegel nicht dramatisch sinkt. Der niedrigste, jemals gemessene Wasserstand des Rheins lag im Jahr 2003 in Höhe Düsseldorf bei 40 Zentimetern.

Das ist bislang noch nicht in Sicht, dennoch offenbaren die Neusser Piratenstrände nun ungewöhnliche Fundstücke. Einen einsam und völlig deplatziert dastehenden Einkaufswagen etwa, oder eine angeschwemmte Autobatterie. Vergessenes und Verlorenes taucht wider auf, darunter das Gestell eines Spielzeugautos, dessen rote Farbe längst verwaschen ist. Ein grüner Schal hat sich in den Sträuchern am Ufer verfangen, auf den Steinen liegt ein schwarzer Fahrradreifen, und vorn am Strand sammelt sich hölzernes Treibgut. Auch Unmengen von Muscheln hat der Rhein angespült. Fehlt nur noch die Schaufel, um nach dem Schatz zu graben – jo-ho-ho und die Buddel voll Rum.

(NGZ)