Neuss: Auf Opas Geige gelernt

Neuss : Auf Opas Geige gelernt

Glehn/Neuss Die Strecke von Glehn nach Neuss kennt Corinna Hentschel zur Genüge. Auch die von Glehn nach Bonn. Und im Moment ist sie besonders viel unterwegs, denn "sonst kommt nie was, und jetzt alles auf einmal".

Mit dem Jugendsinfonieorchester der Musikschule hat die 18-jährige Marienberg-Schülerin gerade erfolgreich an einem Wettbewerb teilgenommen; am kommenden Sonntag steht sie als Solistin beim 43. Konzert Junger Künstler mit dem Neusser Kammerorchester auf der Bühne des Zeughauses. Und außerdem ist da noch die Schule, in der langsam alles auf das Abitur im Frühjahr zuläuft, und der Unterricht in Bonn bei ihrem Lehrer Liviu Casleanu ...

Kein Wunder also, dass die Glehnerin sich einen festen Tagesablauf zurechtgelegt hat. Schule bis in den Nachmittag, auf der Geige üben in den Abendstunden. "Zum Glück machen unsere Nachbarn das mit", sagt Corinnas Mutter lachend.

Zumal da ihnen von der Familie Hentschel einiges an Musik geboten wird: Corinna spielt noch Klavier und ihre Schwester Simone Cello und Schlagzeug. "Als Hentschel-Sisters" sind die beiden Schwestern schon mal gemeinsam auf der Bühne zu erleben - wobei Corinna mit dem Namen nicht wirklich glücklich ist.

Dass sie Geige spielen will, hat sie schon als kleines Kind beschlossen. Mit sechs Jahren bekam sie ihr erstes Instrument, eine Geige des verstobenen Opas, die für Corinna wieder aufbereitet wurde. Wie zielstrebig die 18-Jährige in ihrem Leben vorgeht, zeigt sich auch an einer anderen Geschichte.

Unbedingt wollte sie den berühmten Geiger Nigel Kennedy kennen lernen, schrieb als Zehnjährige einen Brief an sein Management und wurde zu seinem Auftritt in die Düsseldorfer Tonhalle eingeladen. Bei den Proben spielte sie mit Kennedy auf der Bühne, fürs Konzert bekam sie einen Backstage-Pass. Mehrfach haben sie sich seitdem bei Konzerten getroffen, und immer noch hegt Corinna eine große Bewunderung für den Musiker: "Ich finde es toll, dass er Grenzen überschreitet."

Derartiges kennzeichnet mittlerweile auch die musikalischen Aktivitäten der Noch-Schülerin. Sie mag Katie Melua, Nora Jones, die Wise Guys (und singt auch selbst in einem a-cappella-Chor am Marienberg), arrangiert für ihr Piazzolla-Quartett Bandoneon-Parts für die Klarinette, ist Mitglied in einem Klaviertrio, Konzertmeisterin im Jugendsinfonieorchester ... Gut, dass nicht nur die Eltern eine große Liebe zur Musik haben und die Töchter unterstützen, sondern auch Corinnas Freund Musiker ist: Er spielt Posaune.

(NGZ)
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