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NGZ-Spaziergang: Auf den Spuren Napoleons

NGZ-Spaziergang : Auf den Spuren Napoleons

Eine historische Wanderung ist dieser Spaziergang rund um Selikum. Durch die Natur führt der Weg, vorbei am Cornelius-Kapellchen und dem Schloss, aber auch an Bauwerken, die aus der französischen Besatzungszeit stammen.

"Wohlauf in Gottes schöne Welt..." — der Neusser hat es nicht schwer, diesem Aufruf zu einem Osterspaziergang zu folgen. Gleich vom Rand der alten Stadt, vom Mühlenturm aus oder vom Stadthallenparkplatz — ehedem die Lage uralter Neusser Bürgergärten vor dem Mauerring — geht es durch das blühende Grün des Stadtgartens und, nach der Querung der Nordkanalallee, auf dem wunderschönen Corneliuspilgerpfad nach Selikum. Immer an der Obererft entlang, mit seinem frischen Laub, führt der Weg mit seinen vielen Grabkreuzen zum Heiligen Cornelius. An dem kleinen Kapellchen "Maria Rast" des Junkers Wilhelm von Reuschenberg und seiner Frau Anna Maria von Bentinck sollte man mit einem stillen Gotteslob der herrlichen Natur danken, die uns im dichten Anschluss an die "gebaute Stadt" geschenkt ist.

Das Cornelius-Kapellchen ist uralt und war über viele Jahre Ziel von Bittprozessionen, besonders zu Zeiten der Pesten. Auch heute hat das wohl behütete Kapellchen seine Beliebtheit als Ort der Besinnung nicht eingebüßt. Vorbei an dem eindrucksvollen Gut Selikum und dem Schloss, dessen Torbogen das Wappen mit den drei Vögeln der Herren von Reuschenberg schmückt, gelangt man über die Gerhard-Hoeme-Allee zum Atelier des bekannten Künstlers und macht sich dabei seine Gedanken über die Sitzfigur eines "Philosophen". Sie stammt vom Bildhauer Karl Bobeck und wurde von diesem einst als Wächter bezeichnet.

Die Brücke führt uns über das klare Wasser der "richtigen Erft". Der Weg gleich nach rechts (A6) führt dann über einen schönen Gewässerpfad, vorbei an einer "Wasserbremse" aus jüngster Zeit, zu einem weiteren Kunstwerk. Diesmal von Anatol Herzfeld, der seinen groben Stein als "Der liebe Jung" lebendig werden und zu uns sprechen lässt. Eindrucksvoll sind auch die vielen Mistelgewächse auf den Kronen hoher Laubbäume. Sie sollen angeblich Glücksbringer sein.

Über die relativ neue Erftbrücke am Fluss zurück lässt man, dem Wegzeichen A6 folgend, links das so genannte Arboretum liegen. Es ist eine Anpflanzung von Gehölzen aus der Zeit der Braunkohlenbildung und wurde von dem damaligen Chef des Grünflächenamtes Heinrich de Cloer zur Erinnerung an die vielen Tagebau-Kraftwerke in unserer Landschaft angelegt.

Besonders für Kinderherzen erfreulich ist dann die Waldlichtung, wo ein Rudel Dammwild grast. Die Erwachsenen freuen sich über den blühenden Bärlauch-Rasen, der nach dem Welken der Buschwindröschen das Auge verwöhnt.

Nach einem Abstecher zum "Napoleonswehr", einer historischen "Wasserbremse" dessen Ursprünge auch bis in das Jahr 1456 zurückreichen, und des Gedenkkreuzes an den letzten Spross aus dem Geschlecht derer von Braumann zu Selkium, führt der Weg zu einem bedeutenden Ingenieurbauwerk aus der Zeit Napoleons, dem "Empellement". Das wurde vor über 200 Jahren im Zusammenhang mit dem Bau des Nordkanals errichtet und diente als Wasserteilungs- und Regulierbauwerk. Einerseits diente es dem Betrieb einer Wassermühle unweit von Schloss Selikum, andererseits — ganz wichtig — der angemessenen Wasserbeschickung der bereits erwähnten Obererft und damit dem Betrieb der vielen historischen Mühlen am Erftmühlengraben.

Schwenkt man hinter der historischen Brücke nach rechts, gelangt man über die Tiergehege des Kinderbauernhofes zu dem Platz, wo es für den langen Weg ein "Belohnungseis" geben kann.

(NGZ)