Neuss: Auf dem Weg in neue Welten

Neuss: Auf dem Weg in neue Welten

Das Konzept "Neue Deutsche Stadtgesellschaft" des Kulturamts ist für einen Sonderpreis in einem bundesweiten Projekt nominiert.

Große Reichtümer sind in der Kultur selten zu erwarten. Und selbst wenn es wie jetzt eine Nominierungsprämie von 2500 Euro für das Kulturamt gibt, tut das schon gut. Vor allem einem Projekt, das noch im Werden ist, aber immerhin schon so dicht konzipiert, dass es unter die letzten zehn eines Wettbewerbs gekommen ist, für den man nur vorgeschlagen werden konnte.

50 Institutionen in der ganzen Bundesrepublik hatten das Recht, einen Vorschlag für den Sonderpreis "Kultur öffnet Welten" zu machen. Der Deutsche Städtetag hat sich für das Neusser Konzept von einer "Neuen Deutschen Stadtgesellschaft" entschieden, im Ranking ist es nun unter den letzten Zehn gelandet. Drei davon werden platziert, jeder Platz ist mit 10.000 Euro dotiert, sagt Kulturdezernentin Christiane Zangs, die allein die Nominierung schon als große Ehre empfindet. Kulturstaatssekretärin Monika Grütters wird die Preisträger am 26. April in Düsseldorf bekanntgeben.

Das Konzept ist eine konsequente Weiterentwicklung der interkulturellen Idee, für die schon seit vielen Jahren Kulturamtsleiter Harald Müller steht. Höchstes Lob zollt ihm Zangs dafür und gibt auch zu: "Ich war anfangs skeptisch, aber Harald Müller, der die Idee aus einem ganz starken menschlichen Antrieb heraus forciert hat, konnte nicht nur mich, sondern alle überzeugen."

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In das Neusser Modellprojekt hat das Kulturamt unter Müllers Federführung alle städtischen, aber auch nichtstädtischen Kulturinstitute einbezogen. Sichtbares Zeichen ist die Unterschrift der Institutsleiter unter ein Manifest, das elf Handlungsmaxime für die eigene Arbeit fixiert, und davon ausgeht, Potenziale und Interessen aller Neusser zum Ausgangspunkt "des Denkens und Handelns der Kultureinrichtungen" zu machen - als Neusser Diversitätskonzept. Es reagiert auf den demografischen Wandel ebenso wie auf den Zuwachs von Migranten, ist breit aufgestellt (auch in der Politik), bezieht alle Altersgruppen, jede Religionszugehörigkeit und jeden sozialen Status ein.

Müller und sein Team haben dafür kommunale Einrichtungen, freie Träger und Religionsgemeinschaften ebenso an den Tisch geholt wie Teile der Stadtverwaltung im Kultur-, Sport- und Sozialbereich. Vor allem haben sie Werkzeuge für die Arbeit geschaffen, etwa mit einer Planstelle für Interkultur im Kulturamt, einer institutsübergreifenden Arbeitsgruppe Interkultur, der Teilnahme an Projekten wie "Kultur und Schule", "Kulturrucksack", der Gründung eigener Veranstaltungsreihen wie Acoustic Concerts oder der Kulturnacht.

Das gibt auch den Rahmen vor für die eigenen Veranstaltungen der Neusser Kultureinrichtungen. Wobei es dabei nicht allein um die Befriedigung von Einzelinteressen geht (die ja manchmal auch mit Geschmacksfragen zu tun haben), sondern vor allem ein hoher künstlerischer Qualitätsanspruch gilt. "Das bleibt auch oberstes Prinzip", betont Zangs, "und ich glaube, dass wir das bisher auch durchhalten konnten." Gleichwohl will sie zusammen mit den Kulturinstituten künftig den Fokus auf das Publikum legen. "Wie setzt es sich zusammen? Was denken wir, wenn wir Veranstaltungen planen?" seien Fragen, die für die nächste Saison eine große Rolle spielten. "Idealerweise erreichen wir eine Publikumsstruktur, wie sie der Bevölkerung in Neuss entspricht", sagt sie.

(hbm)
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