Neuss: Auch Lehrer sind nervös

Neuss : Auch Lehrer sind nervös

Nicht nur i-Dötzchen haben heute oder morgen – je nach Schule – ihren großen Tag. Auch für Lehrer wie Deniz Yilmaz ist der Schulstart eine Premiere. Der 31-Jährige übernimmt eine Klasse von ABC-Schützen.

Nicht nur i-Dötzchen haben heute oder morgen — je nach Schule — ihren großen Tag. Auch für Lehrer wie Deniz Yilmaz ist der Schulstart eine Premiere. Der 31-Jährige übernimmt eine Klasse von ABC-Schützen.

Deniz Yilmaz (31) hat vergangene Woche von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke seine Ernennungsurkunde als verbeamteter Grundschullehrer für Deutsch, Mathematik und Sport bekommen. Ab morgen leitet er eine erste Klasse an der Gebrüder-Grimm-Schule in Erfttal.

Morgen stehen Sie das erste Mal vor Ihrer eigenen Klasse. Aufgeregt?

Deniz Yilmaz Ja. Es ist jetzt zwar nicht so, dass ich nächtelang nicht geschlafen hab', aber man macht sich schon seine Gedanken, ob man alles bedacht hat und ob man das ganze Material beisammen hat.

Sie bekommen eine erste Klasse mit 21 Kindern. Ist das für den Anfang nicht stressig?

Yilmaz Das wird sicher einen gewissen Stress mit sich bringen. Aber das ist ganz normal. Ich versuche, das locker anzugehen, weil ich glaube, dass sich Aufregung und Stress leicht auf die Kinder übertragen. Ich bin da viel gelassener geworden. Das Referendariat war aufreibender mit vielen Seminaren und Unterrichtsbesuchen.

Sie haben auch schon Viertklässler unterrichtet. Wie stellt man sich auf die ganz Jungen ein?

Yilmaz Mit einem Erstklässler muss man etwas anders sprechen als mit einem Viertklässler. Das sind oft nur sprachliche Feinheiten. Im Sportunterricht würde ich einem Viertklässler sagen: "Balanciert mal auf der Linie", bei einem Erstklässler würde ich das Wort "Strich" verwenden. Außerdem sollte man bei den ganz Kleinen das Thema Ironie, was in einer vierten Klasse schon geht, komplett außen vor lassen.

Gibt es etwas, dass Sie anders machen wollen als die Lehrer, die Sie in Ihrer Schulzeit erlebt haben?

Yilmaz Ich möchte vor allem, dass die Kinder Spaß haben und auch lachen können. Ich habe gemerkt, dass ich selbst bei lockeren Lehrern lieber gelernt habe als bei solchen, bei denen es sehr streng zuging. Ich bin kein Freund davon, dass es immer mucksmäuschenstill sein muss, wenn gearbeitet wird. Wenn sich die Kinder etwas zu sagen haben, sollen sie das auch sagen dürfen. Und wenn die Kinder draußen an der Tischtennisplatte spielen, stelle ich mich dazu und spiele mit.

Wollten Sie schon immer Lehrer werden?

Yilmaz Nein, ganz und gar nicht (lacht). Wenn ich heute alte Bekannte wiedertreffe und ihnen sage, dass ich Lehrer bin, können sie das immer nicht glauben. Ich war immer eher der Klassenclown.

Was ist für Sie das Schöne am Lehrerberuf?

Yilmaz Egal, wie schlecht man gelaunt ist, sobald man das Schulgebäude betritt, ist man gleich gut gelaunt und die Kinder sprechen einen an und freuen sich. Am Ende vom Tag habe ich das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben und nicht ein Zahnrad in einem System zu sein, das anderen schadet.

Ihre Schüler bekommen eine Schultüte zu ihrem ersten Tag, Sie auch?

Yilmaz Nein. Soweit ich weiß, bekomme ich nichts. Aber ich habe mir selbst etwas gegönnt. Was, bleibt aber mein Geheimnis.

Désirée Linde führte das Gespräch.

(NGZ/rl)
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