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Neuss: Auch die Jugend wählt in Neuss die CDU

Neuss : Auch die Jugend wählt in Neuss die CDU

In Neuss hat zum ersten Mal die "U18-Wahl" stattgefunden, bei der Kinder und Jugendliche ihre Stimme abgeben können. Dabei zeigt sich, dass die politische Tendenz der Jugend der ihrer Eltern gleicht: Vorne lag die CDU.

Zur Wahl gehen – das ist in Deutschland den Erwachsenen vorbehalten. Nun aber durften auch Kinder und Jugendliche im Rathaus ihr Kreuzchen machen. Bundesweit gab es über 176 000 Teilnehmer, in Neuss machten 123 Kinder mit.

"Unser Ziel ist es, politisches Interesse bei den Jugendlichen zu wecken", erklärt Volker Andres. Der 23-Jährige ist zusammen mit Sarah Bonk (20) und Sarah Ingensandt (21) Vorsitzender der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG). Die hatte die U18-Wahl in Neuss zusammen mit dem Jugendamt und dem Jugendring organisiert. Dazu gehörte aber weit mehr als die Möglichkeit, den Stimmzettel auszufüllen. "Wer wählen geht, muss sich auch informieren", sagt Sarah Bonk. Im Vorfeld hatte die KJG deshalb drei Termine zur politischen Bildung angeboten. Eine Landtagsführung mit dem Neusser Abgeordneten Reiner Breuer (SPD), eine Führung durch das Rathaus und eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der politischen Jugendorganisationen.

Außerdem gab es am Freitag nach der Wahl noch eine Wahlparty im Martin-Luther-Haus. Dort warteten die Jugendlichen etwa eine Stunde nach Schließung des Wahllokals gespannt auf das Ergebnis. "Die Grünen werden wohl stark sein", hatte ein Jugendlicher prognostiziert, kurz bevor Volker Andres mit dem USB-Stick, auf dem das Ergebnis gespeichert war, kam. Großer Gewinner waren aber nicht die Grünen, sondern die CDU. Die Meinung der Jugendlichen ähnelt somit den traditionellen Neusser Verhältnissen: 43 Prozent stimmten für die Union. Deutlich dahinter lagen die Sozialdemokraten mit 17,1 und die Grünen mit 16,3 Prozent. Schirmherrin Hannelore Staps (SPD) nahm es gelassen: "Hier in Neuss überrascht mich sowas kaum", scherzte sie. Überhaupt warb die stellvertretende Bürgermeisterin weniger für ihre Partei als für die Demokratie. "Ich finde es toll, das ihr euch schon so für Politik interessiert", sagte Staps, nachdem einige Jugendliche ihre Wahl sehr gut begründen konnten. Noch mehr staunte sie, als der zwölfjährige Jan Schulenberg sie in eine Diskussion über die Frauenquote verwickelte. "Ich finde Frauen sollten nicht gefördert werden, nur weil sie Frauen sind", sagte der selbstbewusste Schüler. Staps hielt dagegen: "Die Spitzenpositionen in Deutschland sind nach wie vor nur mit Männern besetzt. Erst wenn sich das ändert, brauchen wir die Quote nicht mehr." Wirklich überzeugen konnte das den Zwölfjährigen nicht. Trotzdem war er zufrieden. "Ich fand es gut, dass sie sich die Mühe gemacht hat, so lange mit uns zu reden", sagte er. "Sowas sollten Politiker öfter machen." Staps sah das ganz ähnlich: "Erzählt euren Freunden davon, macht Werbung. Demokratie geht nur, wenn viele mitmachen", appellierte sie und versprach, die Wahlergebnisse, einen "Wunschbaum Kommunalpolitik" und ein Fotoprojekt der KJG im Jugendhilfeausschuss zu präsentieren. "Eure Wahl soll ja auch Wirkung zeigen", sagte Staps. Der KJG dankte sie für das Engagement und motivierte weiter zu machen: "Es wäre toll, wenn beim nächsten Mal noch mehr Jugendliche mitmachen." Das sah auch Volker Andres so. "Vielleicht können wir nächstes Mal die Neusser Schulen stärker ins Boot holen", sagte er.

(NGZ)