Neuss: Atelierhaus zeigt Kunst aus West und Ost

Neuss : Atelierhaus zeigt Kunst aus West und Ost

Ab morgen ist in der Galerie an der Hansastraße die Ausstellung "West-Östliches" zu sehen. Die Neusser Künstlerin Brigitte Hempel-Schanzenbach und der iranische Künstler Mahmoud Mirzaie zeigen einen interkulturellen Dialog.

Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass die Schließung eines China-Restaurants am Bodensee eine Kunstausstellung in Neuss nach sich zieht. Genau das ist aber passiert, ab morgen zeigt das Atelierhaus an der Hansastraße die Ausstellung "West-Östliches". Zu sehen sind Fotografien der Neusser Künstlerin Brigitte Hempel-Schanzenbach und Kalligraphien des iranischen Künstlers Mahmoud Mirzaie.

"Ich bin zufällig auf alte, handbemalte Glasscheiben gestoßen, die ein ehemaliges China-Restaurant für seine Laternen genutzt hatte", erzählt Hempel-Schanzenbach, die in den 1970er Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert hat. "Das Restaurant musste schließen und verschenkte die Glasscheiben. Ich fand sie so schön, dass ich sofort wusste, mit denen möchte ich irgendetwas machen."

Die Hinterglasmalerei mit ihren exotischen Vogelmotiven inspirierte die Künstlerin zu inszenierten Fotografien. "Nach einigen Versuchen habe ich herausgefunden, dass die feinen Malereien auf transparentem Grund am besten in einer Winterlandschaft zur Geltung kommen", erzählt die Künstlerin, die bisher vor allem durch ihre konsequente Schwarz-Weiss-Fotografie bekannt ist. Entstanden sind 22 großformatige Bilder, in denen die Motive der Glasscheiben regelrecht mit ihrer Umgebung verschmelzen. So schleichen chinesische Wachteln durch deutschen Winterwald. Wie bei Goethe und seinem "West-Östlichen Diwan", den die Künstlerin gerade las, war das Fremde Auslöser eines exotischen Prozesses.

Es lag für sie nahe, den befreundeten iranischen Künstler Mahmoud Mirzaei einzuladen, das Kunstprojekt mitzugestalten. Mirzaie, der seit über 20 Jahren aus politischen Gründen in Deutschland lebt, war in Teheran Professor für Kalligraphie und arbeitet als Regisseur, Schauspieler, Maler und Bildhauer. Passend zu den Fotografien wählte er für die Ausstellung "West-Östliches" und das gleichnamige Buchprojekt persische Gedichte aus und übertrug diese in feine, kunstvolle Kalligrafien. "Die einzige Vorgabe war, dass die Gedichte etwas mit Vögeln zu tun haben mussten. Sie passen mal inhaltlich, mal formal zu meinen Fotografien", sagt Brigitte Hempel-Schanzenbach.

So wurde dem Buchprojekt auch die Sentenz "Behalte den Flug im Gedächtnis, der Vogel ist sterblich" vorangestellt. "Die Gedichte kommen von unterschiedlichen Poeten, wie zum Beispiel von Hafis, der auch schon Goethe inspirierte. Einige sind tausend Jahre alt, andere stammen aus der Gegenwart", sagt Mirzaie. Neben den Fotografien und Kalligraphien zeigt die Ausstellung auch weitere, von der Kalligraphie ausgehende Arbeiten des Iraners. Harald Müller, Leiter des Kulturamtes, war sofort angetan von der Idee der Ausstellung. "Ich freue mich immer sehr, wenn Kunst durch interkulturellen und transkulturellen Dialog entsteht, diese Ausstellung zeigt das auf ganz besondere Art."

(NGZ)