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Neuss: Atelier-Ausstellung zum Ende der Profi-Arbeit

Neuss : Atelier-Ausstellung zum Ende der Profi-Arbeit

So unterschiedlich sie in ihrem künstlerischen Ausdruck auch sind – Holt und Christoph Rehlinghaus verbindet viele Gemeinsamkeiten. Die hervorstechenste: Beide gehen oft vom Wort aus, lassen sich von Buchstaben, Ausdrücken und Gemeinplätzen zu Arbeiten inspirieren, die manchmal ganze Geschichten erzählen (Holt), manchmal mit einem Aha-Lachen den Blick auf die ebenso mögliche skurrile Lesart eines Wortes lenken (Rehlinghaus). Nun also haben sich die beiden für ein Ausstellungswochenende zusammengetan und das Atelier von Rehlinghaus im Ariston-Haus im Taubental zu einer Galerie umfunktioniert. Nicht aus Not, sondern aus Freundschaft und Respekt.

So unterschiedlich sie in ihrem künstlerischen Ausdruck auch sind — Holt und Christoph Rehlinghaus verbindet viele Gemeinsamkeiten. Die hervorstechenste: Beide gehen oft vom Wort aus, lassen sich von Buchstaben, Ausdrücken und Gemeinplätzen zu Arbeiten inspirieren, die manchmal ganze Geschichten erzählen (Holt), manchmal mit einem Aha-Lachen den Blick auf die ebenso mögliche skurrile Lesart eines Wortes lenken (Rehlinghaus). Nun also haben sich die beiden für ein Ausstellungswochenende zusammengetan und das Atelier von Rehlinghaus im Ariston-Haus im Taubental zu einer Galerie umfunktioniert. Nicht aus Not, sondern aus Freundschaft und Respekt.

Foto: Woitschützke, Andreas

"Wir kennen uns jetzt seit 20 Jahren", sagt Rehlinghaus, "und wollten schon immer mal gemeinsam ausstellen." Dass es nun klappt, ist eher einem betrüblichen Umstand zu verdanken. Denn Rehlinghaus will sich aus dem professionellen Künstlerbetrieb zurückziehen und sich auf die Lehrtätigkeit konzentrieren. Was also lag näher, als dieser "Zäsur in meinem Leben", wie er selbst sagt, mit einer letzten Ausstellung eine Form zu geben? Und warum dann nicht endlich auch umsetzen, was er und sein aus Frankreich stammender Freund und Kollege Holt (den Rehlinghaus natürlich bei seinem Vornamen Dominique nennt) schon immer wollten?

Gleich mehrere Ansätze haben sie für ihr Projekt. Einer ist gut sichtbar, schon bevor der Besucher das Atelier betritt. Einen Quer- und einen kleinen Längsflur haben sie in "Straßen" benannt, spielen auch da wieder mit der Sprache, indem sie sich an die französische Version ihrer Namen halten: "Rue Olt" (Franzosen sprechen kein "h") und "Rue Rélignous".

Rehlinghaus kombiniert auf seiner "Rue" Bilder aus den vergangenen Jahren, auch die unvollendeten, sowie Fund- und Bruchstücke, von denen man nicht weiß, was aus ihnen werden wird. "Kunst ist nicht planbar", sagt Rehlinghaus, und deswegen gibt es auch leere Rahmen darunter und in den Kojen seines Atelierraumes Versatzstücke, die darauf hindeuten: Hier ist noch was im Werden. Denn natürlich arbeitet Rehlinghaus auch weiter an der Staffelei, aber nicht mehr für den Markt, sondern für sich — oder denjenigen, der ihn aus Interesse in seinem Atelier aufsucht. Sichtbares Zeichen dafür sind die Obstbilder, die auf fast berührend-ernste Weise die hohe malerische Qualität des Künstlers zeigen.

Und Holt? Seine große Schaffenskraft zeigt sich in einer Fülle von Arbeiten, die auf den ersten Blick fast alle betonschwer wirken. Denn der Untergrund ist rauer Putz, manchmal mit Rissen und Schlieren, mit Farbsprengseln - wie Mauern eben, die lange nicht gestrichen worden sind. Darauf montiert Holt kleine Skulpturen und Bilder wie ein Graffiti-Künstler, mal von fotografischer Genauigkeit, mal kreuz und quer durcheinander. Geschichten können sie erzählen. Solche, die man sich ausdenken will, aber auch solche, die Holt selbst transportiert. Denn kaum ein Bild malt er ohne Assoziationen, die er ebenso schlüssig wie witzig erzählen kann. "Street Art" — das ist sein Credo, und so verewigt er sich auf manchem Bild auch in der Haltung eines Sprayers.

Doch was nach belastungsstarken Hängesystemen zu schreien scheint, ist leicht wie die sprichwörtliche Feder. Oder zumindest fast. Denn Holt hat Bauplatten.- und -rohre entdeckt, bearbeitet sie, bis sie wie raue Betonteile aussehen. "Früher habe ich von innen nach außen gearbeitet", sagt er selbst, "große Skulpturen, die draußen wie zum Beispiel die Arbeit ,Des Mots/Demo' am Rathaus, stehen. Heute ist es umgekehrt."

Er holt das Material für draußen nach innen, zumindest sinnbildlich, indem er seinen Arbeiten durch die Bearbeitung eine imitierte Ursprünglichkeit gibt. Ein perfektes Mimikry.

(NGZ/ac)