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Neuss: Asylheim: Orden hat letztes Wort

Neuss : Asylheim: Orden hat letztes Wort

Heute soll entschieden werden, ob im ehemaligen St.-Alexius-Krankenhaus künftig Flüchtlinge und Asylbewerber untergebracht werden. Das Land drängt auf eine schnelle Lösung. Baulich ist die Liegenschaft geeignet.

Der Bruderrat der Alexianer hat heute das letzte Wort. Er muss entscheiden, ob schon in wenigen Tagen unter dem Dach des ehemaligen St.-Alexius-Krankenhauses bis zu 400 Asylbewerber und Flüchtlinge leben können.

Bauliche oder technische Gründe sprechen nämlich nicht gegen eine solche Nutzung, wie ein Ortstermin gestern am späten Nachmittag ergab, bei dem neben Polizei und Feuerwehr auch das städtische Bauordnungsamt vertreten war. "Grundsätzlich gut geeignet" fasst Peter Fischer, Presseamt der Stadt, die Meinung aller Beteiligten zusammen.

Schon vor zwei Wochen war die verlassene Liegenschaft erkundet worden. Sie ist aus Sicht der Bezirksregierung Arnsberg, die landesweit in allen Fragen der Asylpolitik federführend ist, vor allem deshalb anderen Optionen vorzuziehen, weil sie schnell nutzbar gemacht werden kann, wie Pressesprecher Christoph Söbbeler betonte. Und Eile ist geboten.

Flüchtlinge, die von Schlepperbanden vom Balkan nach Deutschland geschleust werden oder aus dem Irak, Syrien oder Afghanistan kommen, lassen derzeit die zentralen Auffanglager überlaufen. Besonders groß ist der Druck auf die Erstaufnahmestelle in Dortmund, die schon um eine Notunterkunft erweitert wurde. Dort verbreiteten gestern auf einer Pressekonferenz Vertreter der Stadt die Nachricht, die Einrichtung in Neuss gehe noch vor dem Wochenende an den Start — wenn auch zunächst nur provisorisch. Doch das wurde in Neuss von keiner Seite bestätigt und nach dem Ortstermin ausgeschlossen.

Nach Darstellung der Bezirksregierung Arnsberg ist geplant, Neuss — neben Hemer und Schöppingen — zum Standort für eine dritte zentrale Unterbringungseinrichtung zu machen. Als Standort für eine Erstanlaufstelle, wo alle Neuankömmlinge erfasst, medizinisch versorgt und befragt werden, sei Neuss nicht vorgesehen, sagt Söbbeler.

Es könne aber sein, dass an den beiden überlaufenen Erstkontaktstellen in Dortmund und Bielefeld vorbei Neuankömmlinge direkt nach Neuss gebracht werden. Dort müssten dann Aufgaben der eigentlich vorgelagerten Stellen nachgeholt werden, sagt Söbbeler. Ansonsten würden die Flüchtlinge und Asylbewerber einige Wochen in Neuss bleiben, bevor sie auf die Städte und Gemeinden im Land verteilt werden.

Gert Harbaum, Inhaber des Lokals "Zur alten Wäscherei" auf dem Alexianer-Gelände, sieht die Entwicklung mit Sorge. "Dann können wir dicht machen", fürchtet er, auch wenn das "Alex" nur bis 2014 als Asylbewerberheim gebraucht wird. Andere Stimmen schürten dagegen mit einem anonymen Flugblatt, das gestern in Umlauf kam, diffuse Ängste. Reaktionen darauf wurden nicht bekannt.

In Kooperation mit den RuhrNachrichten

(NGZ/rl/url)