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Neuss: Asylbewerber ins "St. Alexius"

Neuss : Asylbewerber ins "St. Alexius"

Die Erstaufnahmestellen in Bielefeld und Dortmund können den wachsenden Ansturm der Asylbewerber nicht meistern. Das Land sucht provisorische Standorte. Favorit ist seit Dienstag das leerstehende Alexius-Krankenhaus.

In das leerstehende Gebäude des St.-Alexius-Krankenhauses an der Nordkanalallee sollen schon bald mehrere Hundert Asylbewerber einziehen. Das Land favorisiert offenbar Neuss bei seiner Suche nach neuen Standorten für provisorische Einrichtungen zur Aufnahme von Asylbewerbern.

Gestern Nachmittag ging eine offizielle Anfrage bei den St.-Augustinus-Kliniken ein, die noch bis zum 30. Juni 2014 Nutzer der Immobilie sind. Das bestätigte Geschäftsführer Paul Neuhäuser auf Anfrage.

Während Bürgermeister Herbert Napp davon ausgeht, dass "befristet bis zum Frühjahr 2014" die ehemalige St.-Alexius-Klinik als Übergangswohnheim für Asylbewerber genutzt wird, spricht Neuhäuser von "ungelegten Eiern". Ohne die Zustimmung des Eigentümers, des Ordens der Alexianerbrüder, sei eine Umnutzung nicht möglich: "Dazu müssen wir jetzt Gespräche mit dem Orden aufnehmen. Ich habe den Text der Anfrage noch nicht einmal studiert." Mit einer Entscheidung sei nicht in Tagen, sondern in Wochen zu rechnen.

Doch diese Zeit hat das Land nicht. Bis zum Wochenende müssen neue Übergangsheime eingerichtet sein. Die Zahl der Asylbewerber ist in den vergangenen Wochen dramatisch gestiegen.

Die Anlaufstellen für die Erstaufnahme in Bielefeld und Dortmund platzen aus allen Nähten. Beispiel Dortmund: 550 Plätze sind vorhanden; 1100 Menschen müssen aber versorgt werden — Tendenz steigend. Viele Kinder sind an Windpocken erkrankt. Notunterkünfte wurden hergerichtet, die aber als Dauerlösung ungeeignet sind. Darum muss das Land neue Plätze schaffen.

Bürgermeister Napp zeigte sich gestern angesichts der Aussicht, dass Neuss eine Anlaufstelle für Asylbewerber wird, mit "gemischten Gefühlen". Aus der Vergangenheit sei bekannt, dass eine hohe Zahl Asylbewerber Auswirkung auf "das Stadtbild" habe. Aber die Stadt könne und wolle sich nicht aus der Verpflichtung stehlen, "Menschen in Not zu helfen". Auch sehe er Neuss in der Solidarität mit anderen Städten, die viele Asylbewerber aufnehmen müssten.

Derzeit kommen die meisten Flüchtlinge aus zwei Regionen. Erstens: Viele bettelarme Menschen vom Balkan, vornehmlich aus Serbien und Mazedonien, wählen den Landweg, um nach Deutschland zu reisen. Zweitens: Die Kriege in Syrien, Afghanistan und Irak lassen die Menschen fliehen. Sie werden von Schleuserbanden ausgeflogen. Aktuell ist Nordrhein-Westfalen ein favorisiertes Ziel.

Die St.-Alexius-Klinik soll nur mittelfristig als provisorische Einrichtung genutzt werden. Grund: In den Klostergärten, unter Einbeziehung des Gebäudekomplexes, ist ein neuer Stadtteil geplant.

In Kooperation mit den RuhrNachrichten

(NGZ/rl/url/jco)