Behandlungsfehler Arzt vergisst Spirale in Patientin

Neuss/Viersen · Weil ein Frauenarzt aus Neuss eine Viersenerin falsch behandelte und ihr eine Spirale nicht entfernte, scheiterte der Kinderwunsch des Paares. Erst nach zwölf Jahren wurde der Fehler entdeckt. Jetzt erwartet die Frau Zwillinge.

US-Fotografin zeigt Frauenkörper nach einer Geburt
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Nach einer Fehlgeburt wollte das Ehepaar Walz* aus Viersen einen neuen Versuch wagen. Doch wegen eines Ärztefehlers dauerte es ganze zwölf Jahre, bis der Kinderwunsch erfüllt werden konnte. Grund war eine Spirale, die ein Neusser Frauenarzt vergessen hatte zu entfernen. Ihn hat das Ehepaar W. angezeigt. Der Düsseldorfer Oberstaatsanwalt Ralf Herrenbrück bestätigt: "Dieser Sachverhalt ist Teil der Prüfung und liegt dem Sachverständigen vor." Gegen den heute 65-Jährigen ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits in mehreren Fällen. Dem inzwischen pensionierten Arzt wird vorgeworfen, in mehreren Fällen bewusst falsche Brustkrebs-Verdachtsdiagnosen gestellt zu haben, um teure Behandlungen abrechnen zu können.

Die heute 42-jährige Sabrina Walz hatte sich die Spirale einsetzen lassen, nachdem sie die Fehlgeburt erlitten hatte. Ihr Mann berichtet: "Wir wussten, dass wir es erst mal nicht mehr versuchen möchten." Als sich das Paar jedoch dazu entschloss, nicht mehr zu verhüten, sollte der Neusser Gynäkologe die Spirale entfernen. "Wir haben uns nach der Fehlgeburt Zeit gelassen, um die Angst rauszunehmen, und wollten mit neuer Energie starten", erzählt Peter Walz. Im Laufe der Zeit habe der Arzt dreimal eine Spirale bei seiner Frau eingesetzt und behauptet, jede entfernt zu haben. "Dabei muss ein Fehler passiert sein." Die Entfernung der Spirale sei abgerechnet, nicht aber durchgeführt worden. Dazu liegt unserer Zeitung ein Gutachten der AOK vor.

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Foto: dpa, Kay Tkatzik

Entdeckt wurde dieser Fehler erst Jahre später. "Wir haben eben so lange wie möglich versucht, auf normalem Weg ein Kind zu bekommen", sagt Peter Walz. Als die Versuche scheiterten, entschied sich das Paar für eine In-vitro-Fertilisation in einer Klinik. Doch auch hier sei die Spirale bei Untersuchungen nicht entdeckt worden. "Es wurden drei mal Eizellen eingepflanzt, die nach zwei Wochen abgestorben sind", sagt Peter Walz. Irgendwann wurde das Paar misstrauisch: "Wir wollten einen anderen Arzt hinzuziehen und haben einen Kinderwunschexperten in Heidelberg aufgesucht." Dieser habe bei der ersten Untersuchung die Spirale entdeckt.

Wieder folgte eine In-vitro-Behandlung - dieses Mal mit Erfolg. "Die Zeit, bis wir sicher wussten, dass es geklappt hat, war unerträglich. Schließlich war meine Frau mit Anfang 40 in einem Alter, in dem es immer gefährlicher und schwieriger wird, ein Kind zu bekommen." Nun besteht Grund zur Freude: "In vier bis fünf Wochen werden unsere Zwillinge geboren. Wir sind wahnsinnig glücklich", sagt der werdende Vater (42). Dennoch: "Meine Frau ist in psychologischer Behandlung, um das Ganze zu verarbeiten." Eine Spirale berge zudem gesundheitliche Risiken, wenn sie länger als vorgesehen im Körper verweilt.

*Name geändert

(RP)