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Neuss: Artensterben in der Stadt

Neuss : Artensterben in der Stadt

Zu Beginn der Hauptbrutzeit zählen Experten rund 60 verschiedene Vogelarten in Neuss. Naturschützer aber warnen: Viele Arten wie der Spatz sind in Neuss vom Aussterben bedroht. Denn der Lebensraum hat sich verändert.

Ingeborg Arndt weiß, wo sich einer der größten Schätze der Neusser Vogelwelt niedergelassen hat. Der Flussregenpfeifer ist zahlenmäßig einer der sehr seltenen Vögel in Mitteleuropa. Nur rund 4000 Exemplare gibt es in Deutschland. Ein paar wenige davon in Neuss. "Es gibt eine Stelle, wo er gute Bedingungen findet", sagt die Vorsitzende der Neusser Naturschutzgruppe Bund. Das Problem: Der Vogel ist sehr scheu, und deshalb will sie es tunlichst vermeiden, dass Vogel-Liebhaber auf Entdeckungstour an der Brutstätte aufkreuzen — und damit ungewollt womöglich die Brut stören. Entdeckungsreisen durch die Neusser Vogelwelt sind derzeit sehr beliebt (siehe Info). Interessierte müssen erkennen: Die Neusser Vogelwelt hat sich massiv verändert.

Nach Schätzungen von Vogel-Experte Jochem Dammer, der seit vielen Jahren solche Wanderungen anbietet, gibt es in Neuss derzeit rund 60 verschiedene Vogelarten. Einige Vogelarten, die auf ganz anderen Kontinenten heimisch sind, haben sich in Neuss ausgebreitet. Und wieder andere, die über Jahrhunderte Neuss bevölkerten, gehören mittlerweile zu den bedrohten Arten. "Wenn Freiflächen oder alte Bäume vernichtet werden, dann finden viele Vögel kaum noch Nistplätze", sagt Ingeborg Arndt. "So brechen ganze Populationen weg."

Diese Vögel sind bedroht: Nachtigall, Dohlen, Grünspecht, Buntspecht, Kiebitze und vor allem Spatzen haben es schwer — nicht nur in Neuss. "Früher waren das Allerwelts-Vögel, heute sind sie nur noch selten zu sehen", sagt Ingeborg Arndt. Der Grund: Viele Vögel finden kaum noch die Bedingungen in der Stadt, die sie brauchen. Schon seit Jahren nicht mehr in Neuss gesichtet wurden der Haussperling, der Mäusebussard, Mauersegler, Mehlschwalbe und Misteldrossel. Gute Bedingungen auch für seltenere Vögel gibt es in Neuss im Stadtgarten, in der Nähe des Hauptfriedhofs und auf der Museumsinsel Hombroich.

Diese Vögel sind neu: Der Höckerschwan kommt eigentlich aus Asien, vor allem aus China. Mittlerweile ist er in Neuss heimisch. "Allein in Norf leben um die 80", sagt Jochem Dammer. Die Kanadagans (eigentlich Nordamerika) und die Nilgans (eigentlich Afrika) haben sich in der Stadt ausgebreitet, die Population wird immer größer. Der Halsbandsittich kommt normalerweise kaum in Europa vor. In Neuss ist diese Papageienart aus Afrika und Asien aber heimisch geworden. Rund 150 Exemplare hat Dammer bisher gezählt. Und alle stammen aus demselben Käfig. Einmal ist ein Halsbandsittich ausgebüxt, und der vermehrt sich munter.

Aber für Jochem Dammer ist klar: "Neuss ist kein besonders guter Vogelstandort. Wir können uns mit keinen Seltenheiten brüsten." Er rät jedem auf seinen Vogelstimmenwanderungen: "Beobachten kann man die Vögel, aber man sollte sie nie stören."

(NGZ)