Neuss: Architekturwettbewerb fürs Hammfeld?

Neuss : Architekturwettbewerb fürs Hammfeld?

Das Rangeln der Möbelhausbetreiber um das Grundstück am Hammfeld geht weiter. Jetzt hat Segmüller seinen Entwurf vorgelegt. Die Firma schlägt zudem einen Architekturwettbewerb für die Fläche vor. Die Mitbewerber ziehen sofort mit.

Nichts hat den Möbelhandel in den vergangenen Jahrzehnten so verändert und geprägt wie der schwedische Ikea-Konzern mit seinem Konzept der sofortigen Verfügbarkeit von Ware. Dem tragen auch die drei Interessenten Rechnung, die im Neusser Hammfeld ein neues Möbelhaus bauen möchten.

Das gefällt nicht allen Rats-Politikern: So wurden Stimmen laut, die etwa an dem in nichtöffentlicher Ratssitzung präsentierten Entwurf der Firma Segmüller monieren, dass dieser direkt neben dem Möbelhaus den Bau eines Lagers vorsieht. Doch ist das ein Minuspunkt?

Auch der Berliner Investor Kurt Krieger, der ein Möbelhaus der Marke Höffner bauen und betreiben will, spricht offen von einem "umfangreichen Hochregallager" — innerhalb der Gebäudehülle.

Und Reinhold Gütebier, Sprecher der Geschäftsführung der Segmüller-Gruppe, erklärt: Das Lager diene allein für den Warenbestand, der zu der "zerlegten Ware" zu zählen ist, die über den Mitnahmemarkt — bei Segmüller: "Mega-Store" — vertrieben wird. Von einem Hochregallager am Ortseingang zu Neuss könne gar nicht die Rede sein, fügt Gütebier hinzu. Hinzu kommt, dass ein Lagergebäude architektonisch anders gestaltet werden könne als ein Möbelhaus. "Uns ist ein Architektenwettbewerb sehr lieb", sagt Gütebier mit Blick auf das Gesamtvorhaben, "damit an der Pforte zu Neuss etwas Attraktives entsteht."

Auch die anderen Investoren setzen auf Architektur als gestaltendes Element im Sinne der Stadtgestaltung. Oliver Mühle von der Schaffrath-Gruppe spricht von einem, so wörtlich, "wunderschönen Architektenentwurf" für den geplanten Neubau eines Möbelhauses der Marke Franz Knuffmann im Hammfeld, kündigt aber zudem eine weitere Investition in der Größenordnung von zehn Millionen Euro an, um das jetzige Knuffmann-Haus am Theodor-Heuss-Platz umzugestalten.

Dort soll nach dem Konzept der Schaffrath-Gruppe ein Design-Möbelhaus der Marke Sijben residieren. Mit einem Architektenwettbewerb würde sich auch der Berliner Investor Krieger einverstanden erklären, wenn seine beiden im Rat vorgestellten Entwürfe nicht überzeugen sollten. Und auch die sehen anders aus, als Modelle des gleichen Investors noch vor wenigen Jahren.

2005, als Krieger in Hamburg baute, habe das Credo noch gelautet: "große Kiste mit pompösem Eingang." Heutzutage aber müsste die Architektur das gesamte Haus in den Blick nehmen. So verspricht Krieger denn auch, dass es bei seinem Entwurf — anders als gleich gegenüber beim Rheinpark-Center zu besichtigen — keine klassische Vor- und Rückseite geben werde. Beide Seiten seien einheitlich gestaltet.

Kritikpunkten wie die Frage nach den innenstadtrelevanten Randsortimenten oder der Verkehrsbelastung der Strecken und Verkehrsknoten rund um das neue Möbelhaus stellen sich die Investoren schon mit ihren ersten Konzeptstudien. Die Verkehrsinfrastruktur sei ausreichend, hat ein Münchner Planungsbüro für den Investor Krieger hochgerechnet und dabei maximal 60 Lastwagenfahrten, gut 900 Verkehrsbewegungen durch die rund 600 Mitarbeiter und in etwa 2400 Kundenbesuche täglich zugrundegelegt. Und er betont, dass — anders als bei Ikea — mit den Randsortimenten wie Bettwäsche, Porzellan oder Gardinen "nur" 14 Prozent des Gesamtumsatzes gemacht würden.

Das neue Möbelhaus werde seine Kunden vor allem in einem Einzugsgebiet von 40 Kilometern rund um Neuss finden. Das entspricht einer halben Stunde Fahrzeit. Diese Kunden würden den weiten Weg nicht wegen der Fachsortimente auf sich nehmen, sie wollten vor allem Möbel kaufen, so sei das Neubauvorhaben nicht innenstadtschädlich.

Weil diese Situation für alle Investoren vergleichbar ist, kehren diese ihre Alleinstellungsmerkmale heraus. Schaffrath wirbt mit dem Zwei-Marken-Konzept an zwei Standorten und einem — in Neuss neuen — Designmöbelhaus. Krieger pocht darauf, anders als seine Mitbewerber keinem der drei großen Einkaufsverbände anzugehören und in seiner Sortimentspolitik unabhängig zu sein. Und Segmüller verweist auf die eigene "vollstufige Polstermöbelfabrik", die 350 Menschen Beschäftigung gibt. Polstermöbel im mittleren bis gehobenen Preissegment werden dort in einer Größenordnung hergestellt, die Segmüller bundesweit zu einem der größten Produzenten solcher Möbel macht. Gemessen am Gesamtumsatz, der ja auch mit Küchen, Schlafzimmern, Schränken oder eben im Mega-Store erwirtschaftet wird, machen die Polstermöbel eigener Herstellung "nur" vier Prozent des Segmüller-Umsatzes aus.

(NGZ/rl/anch)
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