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Neuss: Arbeit als Schöffin spannend wie ein Krimi

Neuss : Arbeit als Schöffin spannend wie ein Krimi

Seit drei Jahren engagiert sich Janine Violet als Schöffin. Ein Ehrenamt, für das derzeit neue Anwärter gesucht werden.

Was Recht und Gesetz bedeuten, wie über ein Strafmaß entschieden wird und welches Hintergrundwissen für ein Urteil notwendig sind – die Neusserin Janine Violet weiß das genau. Denn seit über drei Jahren engagiert sich die 50-Jährige als Schöffin am Oberlandesgericht in Düsseldorf. Ein Ehrenamt, das die städtische Angestellte weiterempfiehlt: "Es ist interessant wie ein Krimi", sagt Violet über das Schöffenamt, für das die Stadt Neuss derzeit neue Anwärter sucht.

Interesse an der Tätigkeit als Schöffin entwickelte Janine Violet nicht nur, weil sie privat gerne Krimis liest, sondern vor allem, weil sie im Berufsleben mit dem Thema konfrontiert wurde. "Schon in der Verwaltungsausbildung war das bürgerliche Gesetzbuch Thema", erzählt Violet. "Später kamen auch in den Akten immer wieder Urteile vor, bei denen ich gerne mehr gewusst hätte über den Prozess." Und so entschied die Angestellte, sich für das Schöffenamt zu bewerben, um das deutsche Rechtssystem besser zu verstehen und einen Blick "hinter die Kulissen" des Gerichtswesens werfen zu können. Nach ihrer Bewerbung wurde sie Anfang 2009 dem Oberlandesgericht in Düsseldorf zugeteilt, wo sie seitdem zwölfmal im Jahr an Verhandlungen teilnimmt. "Meist haben wir es dort mit Berufungsverfahren zu tun", erzählt Violet. Dabei gehe es meist darum, dass der Angeklagte auf ein milderes Urteil hofft – etwa wenn es um Diebstahl, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz oder Körperverletzung geht. Dabei traf die Neusserin stets auf Richter, die ihr als Schöffin auf Augenhöhe begegneten. "Es ist interessant, für das Urteil Argumente auszutauschen", sagt Violet. Die Zusammenarbeit zwischen Laien und Experten sei ein guter Weg, zu einer Entscheidung zu finden. "Der Richter bringt das juristische Hintergrundwissen mit, wir bringen unsere Lebenserfahrung ein", sagt die Schöffin. Nicht immer falle es leicht, die Urteile zu fällen. So erinnert sich Violet an den Prozess eines Ersttäters, der später zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt wurde. Auf den ersten Blick sei ihr das zu hart erschienen, doch in der Urteilsfindung zeigte sich, dass gar keine Bewährungsstrafe erlaubt gewesen wäre. "Das Gesetz gibt den Rahmen vor", sagt Violet, der es wichtig ist, stets sachlich zu bleiben – auch bei Tätern, denen man vielleicht eine härtere Strafe wünscht. "In beiden Fällen müssen wir uns an die Vorgaben des Strafgesetzbuches halten", sagt die Schöffin, der es wichtig ist, das im Richterzimmer gefällte Urteil auch später im Saal mit gutem Gewissen vertreten zu können.

Neuen Schöffen empfiehlt Violet, Interesse für Details zu haben. Auch gut zuhören zu können sei wichtig. "Juristisches Vorwissen ist nicht nötig", sagt sie über das Ehrenamt, bei dem die Sitzungen mal mehrere Stunden, aber auch schon mal mehrere Tage dauern können. Daran teilzunehmen, lohne sich aber: "Ich bewerbe mich auf jeden Fall wieder als Schöffin", sagt Violet.

(NGZ)