1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Aquarien aus der Sprühflasche

Neuss : Aquarien aus der Sprühflasche

Die Alte Post zeigt in der Schau "Akwanauta" Arbeiten des polnische Wandmaler Mariusz Waras, der als m-city international arbeitet. Er hat seine Bilder extra für die Räume entworfen und sie direkt auf die Wand gesprüht.

Dem Baseballcap ist anzusehen, dass es schon eine Menge mitgemacht hat. "Stimmt", sagt sein Träger schmunzelnd, denn die Kappe ist sein Talismann, immer dabei, wenn Mariusz Waras irgendwo auf der Welt für eine paar Tage Station macht, um seine großen Wandbilder zu malen. Genauer: zu sprühen, denn zum Handwerkszeug von m-city, so der Künstlername des Polen, gehört die Farbe aus Flaschen, die beim Arbeiten eine Atemmaske und Handschuhe unumgänglich macht.

Entsprechend ausstaffiert steht er dann auf einer Leiter, einem Hubwagen oder einem Gerüst — je nach Größe des Bildes und seines Untergrundes —, arbeitet dermaßen konzentriert, dass seine Bilder in kaum glaublicher Geschwindigkeit entstehen.

Das hat er jüngst bewiesen, als er eine drei Stockwerke hohe Hauswand am Hamtorwall bemalt hat, und auch in der Alten Post ist das nicht anders, als er dort die Bilder seiner Ausstellung "Akwanauta"direkt auf die Wand sprüht. Arbeiten und Schweigen — Reden ist Waras' Sache nicht, aber muss es auch nicht. Denn am besten versenkt man sich einfach in die faszinierende Unterwasserwelten, die da unter seinen Händen auf den Wänden entstehen, wundert sich über deren Vielschichtigkeit und Detailreichtum, kann gar nicht oft genug hinschauen und entdeckt doch immer wieder Versatzstücke des einen Bildes in neuen Formaten auf einem anderen.

Waras baut seine Bilder am heimischen Computer, setzt sie aus vorhandenen Vorlagen zusammen, berechnet je nach Bildgröße exakte Muster, schneidet Schablonen aus und legt sie auf der Wand Stück für Stück an. Jedes Bild wird anders, auch wenn Sägefische, Schiffskörper oder Lokomotiven immer wieder zu den Motiven gehören. Wie exakt der Künstler im Vorfeld arbeitet, zeigt die Schau in der Alten Post. Millimetergenau passen die Bilder auf die Wände im unteren und oberen Foyer, haben ein bisschen was von alten Illustrationen zu Jules Verne's Roman "20 000 Meilen unter dem Meer", sprechen gleichzeitig eine sehr moderne Bildsprache und korrespondieren sehr stark miteinander.

Am liebsten arbeitet Waras in Schwarz und Weiß, aber weil das Thema der Ausstellung Schiffe, Meer, Hafen, Technik umfasst, lässt er auch viel Grün einfließen, um in allen Fällen den Eindruck zu erwecken, man schaue in ein überdimensionales Aquarium.

Die bildmächtige Wirkung von Waras' Arbeiten wird noch größer in dem Wissen, dass diese nur temporär existieren. Nach der Schau werden sie übermalt — und das stört den Künstler nicht im geringsten. Was für ihn dagegen wichtig ist: die Dokumentation. Alles wird fotografiert und auf die Homepage gestellt; und zum Glück wird die Alte Post auch noch einen Katalog herausgegeben.

(NGZ/rl)