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Neuss: Anzeige gegen Schulleiter

Neuss : Anzeige gegen Schulleiter

Die Mutter eines zwölf Jahre alten Schülers hat gegen den Leiter der Joseph-Beuys-Schule, Gerd Dittmann, Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Er soll den Jungen im Klassenraum gewürgt haben.

Viele Gäste kommen heute Nachmittag an den Jean-Pullen-Weg, um dort die Grundsteinlegung für die Mehrzweckhalle der Joseph-Beuys-Förderschule zu feiern. Ob Schulleiter Gerd Dittmann in der rechten Stimmung sein wird, ist offen: Denn gegen ihn liegt eine Anzeige wegen Körperverletzung vor. Die Mutter eines Schülers wirft dem Pädagogen vor, ihren zwölf Jahre alten Sohn an den Hals gefasst und gewürgt zu haben. Dittmann bestreitet dies: "So einen Scheiß mache ich nicht", sagte er gestern unserer Zeitung. Die Polizei bestätigte, dass am Dienstag gegen einen Schulleiter einen Anzeige erstattet wurde.

Das soll vorgefallen sein: Vor den Herbstferien, erzählt Nadine Reimer, sei es am Ende einer Schulstunde darum gegangen, dass ihr Sohn spülen sollte. Der Zwölfjährige habe dazu aber keine Lust gehabt und dies einem Klassenkameraden gegenüber lautstark geäußert. "Dann", so erzählte es der Sohn Nadine Reiner, "ist der zufällig im Klassenraum anwesende Dittmann auf ihn zugekommen, hat meinen Sohn an den Hals gefasst und ihn gewürgt. Er beschimpfte ihn als ,kleines Arschloch', und dass er ihm Respekt beibringen werde. Wenn hier jemand schreie, dann er" – so die Schilderung der Grevenbroicherin.

Gegenüber der NGZ sagte Dittmann (54): "Den Vorfall kann ich nicht einordnen." Warum sie erst jetzt, über sieben Wochen nach dem Vorfall, zur Polizei gegangen ist, erklärt Reiner mit "gesundheitlichen Problemen", die sie hatte. "Und ich wusste nicht, was ich machen sollte." Mit einer Familienhelferin ging sie schließlich zur Hauptwache an der Jülicher Landstraße.

Der Fall ist dem Rhein-Kreis Neuss, Träger der Förderschule, bekannt. " Wir haben sofort die Bezirksregierung informiert", sagt Jürgen Steinmetz, Allgemeiner Vertreter des Landrates, "die für Personalangelegenheiten zuständige Stelle. Sie entscheidet, ob es ein Disziplinarverfahren gibt, eine Suspendierung oder ob die Ermittlungen abgewartet werden".

Der Schulleiter stand bereits im Blickpunkt: 2003 hatten neun Lehrer Versetzungsgesuche eingereicht, weil Dittmann sich tätliche Übergriffe gegenüber Schülern erlaubt haben soll. Der 54-Jährige war auch bereits einmal mehrere Monate wegen des Verdachts eines Übergriffes suspendiert, konnte aber als Schulleiter weiter arbeiten, weil sich der Verdacht nicht erhärtete. 2005 wurde der Schulleiter selbst Opfer einer Gewalttat: Ein damals 14 Jahre alter Schüler schlug Dittmann mit der Faust so heftig ins Gesicht, dass er ins Krankenhaus musste. Der Jugendliche wurde später zu einer Strafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

(NGZ)