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Neuss: Anwohner gegen Straßenausbau

Neuss : Anwohner gegen Straßenausbau

An der Bataverstraße gärt es. Rund 20 Anwohner wehren sich gegen die von der Stadt geplante Ausweitung und Neuansiedlung von Gewerbe auf rund 15 Hektar Fläche – und gegen den Ausbau der Bataverstraße.

An der Bataverstraße gärt es. Rund 20 Anwohner wehren sich gegen die von der Stadt geplante Ausweitung und Neuansiedlung von Gewerbe auf rund 15 Hektar Fläche — und gegen den Ausbau der Bataverstraße.

Maria Ölscher-Wohllebe klingt entschlossen. "Wir wollen das nicht einfach so hinnehmen — zumal wir auch noch dafür bezahlen sollen", sagt die Anwohnerin von der Bataverstraße. Gemeint ist die von der Stadt anvisierte Erschließung eines Gewerbegebiets in ihrer Nachbarschaft und der damit verbundene Ausbau der Bataverstraße. An den Kosten für den Straßenausbau sollen die Anwohner beteiligt werden. Maria Ölscher-Wohllebe und ihr Mann Dieter Wohllebe bezeichnen dies als "Frechheit": "Würde nicht die Planung des Gewerbegebietes anstehen, würde es die Planung des Straßenumbaus auch nicht geben." Bisher habe sich die Stadt Neuss auch nicht um die Fahrradwege, Straßenschäden oder die Gebäudeschäden der Anwohner gekümmert. "Warum jetzt?" fragen die Wohllebes, die den Straßenausbau für vorgeschoben halten — weil es der Stadt nur um die Gewerbeansiedlung gehe.

In einem fast zweiseitigen Schreiben an Bürgermeister Herbert Napp und Baudezernent Christoph Hölters listen die Anwohner ihre Befürchtungen auf. Neben den Kosten für die Straße sind das eine höhere Umweltbelastung und mehr Lärm, vor allem durch Lastwagen, das Sinken des Grundwasserspiegels, Temperaturanstieg in den Sommermonaten wegen der Flächenversiegelung, Verkehrszunahme und Wertverlust der eigenen Grundstücke. Misstrauisch beurteilen die Bürger den Umstand, dass die geplanten neuen Grundstücke auf einer ehemaligen Deponie liegen würden. "Wir haben Bedenken, dass durch den Bau von neuen Gebäuden gefährliche Altlasten aufgewirbelt werden", schreiben die Wohllebes. Protest kommt auch aus Meerbusch. Die Politiker im dortigen Planungsausschuss befürchten, dass die Menschen im Büdericher Süden mit mehr Verkehr rechnen müssen — weil der kürzeste Weg vom Neusser Gewerbegebiet zur Autobahn 52 quer durch eine Wohnsiedlung führen würde. Neuss' Baudezernent Christoph Hölters versicherte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Stadt alle Einwände ernst nehme und prüfen werde. Was aber nicht heiße, dass jeder Einwand auch akzeptiert werde. "Wir befinden uns in einem Abwägungsprozess", sagte Hölters. Der Ausbau der Bataverstraße bringe auch den Anwohnern Verbesserungen. Er gehe beispielsweise davon aus, dass dort in Zukunft langsamer gefahren werde als zurzeit — etwa durch die Anpflanzung von Bäumen und die Anlage von Radwegen. Die auf die Anwohner zukommenden Beiträge beliefen sich auf maximal zehn Prozent der Baukosten. Und das Altlastenthema werde von Gutachtern begleitet. Ein Verkehrsgutachten soll ebenfalls zurate gezogen werden.

Am kommenden Montag wird Hölters die Anwohner zu einem Gespräch treffen. Er muss sich wohl auf einen stürmischen Arbeitstag einrichten.

(NGZ/url)