Anschlag auf Ramstein geplant: Neusser steht in Düsseldorf vor Gericht

Geplanter Anschlag auf US-Militärbasis: Öffentlichkeit bei Terror-Prozess gegen Neusser ausgeschlossen

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Zwei mutmaßliche Helfer der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) müssen sich seit Donnerstag vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht verantworten. Im Fokus steht dabei ein 22-jähriger Mann aus Neuss. Der Prozess findet ohne Zuschauer und Presse statt.

Glasige Augen, zerrissene Jeans, den Blick starr nach unten gerichtet. Der Angeklagte sieht aus, als hätte er die vergangene Nacht nicht viel geschlafen. Hinter dem gläsernen Kasten im Saal 2 des Düsseldorfer Oberlandesgerichtes muss er sich wie ein Tier im Zoo fühlen, als knapp 15 Kameras auf ihn gerichtet sind.

Bei dem jungen Mann handelt es sich um den terrorverdächtigen Kevin T. aus Neuss. Gegen den 22-Jährigen und eine mutmaßliche Helferin wird seit Donnerstag verhandelt - unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das entschied das Oberlandesgericht zum Prozessauftakt am Donnerstag in Düsseldorf. "Die junge Frau war zum möglichen Tatzeitpunkt jugendlich und der Angeklagte heranwachsend", begründete der Vorsitzende Richter Lars Bachler die Entscheidung.

Weitere Gründe für den Ausschuss der Öffentlichkeit seien schwere Entwicklungsverzögerungen und große Selbstzweifel, die bei Kevin T. festgestellt worden seien. Diese Diagnose gehe aus einem Bericht der Jugendgerichtshilfe Neuss vom 12. Dezember 2017 und einem jugendpsychiatrischen Gutachten vom 19. Februar dieses Jahres hervor, teilte der Richter mit. Fehlende Zuschauer und Medienvertreter sollen nun dabei helfen, Hemmungen beim Angeklagten abzubauen.

Auch die für den 11. Juni 2018 geplante Urteilsbegründung soll unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgen. Laut einer OLG-Sprecherin wurde zum Auftakt am Donnerstag lediglich die Anklage verlesen. Der Prozess wird am 1. März fortgesetzt.

Kevin T. soll Anschlag auf Ramstein mitgeplant haben

Dann wird sich insbesondere Kevin T. erneut schwerwiegenden Vorwürfen stellen müssen: Der Neusser soll dem mutmaßlichen IS-Terroristen Lorenz K. (18) bei dessen Planung eines Terroranschlags auf die US-Militärbasis in Ramstein unterstützt haben. Das Duo soll als Test einen Sprengsatz in einem Park in Neuss gezündet haben. Ebenfalls angeklagt ist eine 17-Jährige, die als Helferin fungiert haben soll.

Laut Oberstaatsanwalt Daniel Stein hat Kevin T. in einer Befragung eingeräumt, Kontakt zu dem in Österreich in Haft sitzenden Jugendlichen gehabt zu haben. Zugleich bestritt er jedoch, an der Planung oder Ausführung von Straftaten beteiligt gewesen zu sein.

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Lorenz K. wiederum habe den Neusser in einer Vernehmung schwer belastet, erklärte Stein vor Prozessbeginn am Donnerstagmorgen. Der österreichische Jugendliche soll im Laufe des Prozesses als Zeuge in Düsseldorf aussagen.

Ob Kevin T. seinerseits im Verlauf des für 23 Verhandlungstage angesetzten Prozesses aussagen wird, ist laut seinem Verteidiger Christian Kemperdick noch unklar. Sein Klient sei nervös aber vorbereitet, sagte Kemperdick. Die Tragweite der Vorwürfe seien dem 22-Jährigen bewusst. Ob der Angeklagte mit dem auffälligen Bart noch immer an seiner "Gesinnung" festhalte, darüber wollte der Rechtsanwalt auf Nachfrage keine Angaben machen.

Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem Neusser unter anderem die Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung und die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat vor. Ihm droht im Fall einer Verurteilung ein Strafmaß zwischen 6 Monaten und 10 Jahren Haft.

17-Jährige ist wegen Unterstützung angeklagt

Der 22-Jährige war vor gut einem Jahr in Neuss festgenommen worden. Ein Sondereinsatzkommando hatte damals seine Wohnung gestürmt. Kurz nach seiner Festnahme sorgte ein von Nachbarn aufgenommenes Video für Aufsehen. Darauf ist zu sehen, wie der Angeklagte in der Nähe seiner Wohnung eine Fahne schwenkt, die an die des IS erinnert.

Der Angeklagte muss sich gemeinsam mit einer 17-Jährigen am Oberlandesgericht verantworten. Die Jugendliche soll nach islamischem Recht mit dem mutmaßlichen IS-Terroristen aus Österreich verheiratet gewesen sein. Mit dem Verkauf ihres Handys soll sie zudem Geld beschafft haben, um Bauteile für den geplanten Sprengsatz zu kaufen. Dabei soll nach Angaben des Oberlandesgerichtes aber lediglich ein zweistelliger Betrag rumgekommen sein.

Der Prozess gegen den in österreichischer Untersuchungshaft sitzenden 18-Jährigen soll im Frühjahr beginnen. Die Staatsanwaltschaft in Wien hat gegen ihn wegen des Verdachts der versuchten Anstiftung zum Mord und zu einer terroristischen Straftat Anklage erhoben. Er soll einem Zwölfjährigen eine Anleitung zum Bau einer Bombe geschickt haben. Der geplante Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen scheiterte jedoch.

(jasi, cbo)
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