Annegret Kramp-Karrenbauer: Reaktionen aus dem Rhein-Kreis Neuss

CDU-Politiker im Rhein-Kreis Neuss : Reaktionen auf den Rückzug von AKK

CDU-Politiker aus dem Rhein-Kreis zollen der Bundesvorsitzenden für ihre Entscheidung, auf die Kanzlerkandidatur zu verzichten, Respekt

Zur Ruhe kommen, nachdenken, ohne Hast wichtige Entscheidungen für die Zukunft treffen – das sind drei zentrale Forderungen von CDU-Politikern aus dem Rhein-Kreis nach dem angekündigten Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) vom Bundesvorsitz und ihrem Verzicht auf die Kanzlerkandidatur. CDU-Kreisvorsitzender und NRW-Finanzminister Lutz Lienenkämper bedauert die Entscheidung von Kramp-Karrenbauer. „Wir müssen nun alles in Ruhe überlegen“, sagt Lienenkämper. Zu Spekulationen, er könne als Ministerpräsident auf Armin Laschet folgen, sollte dieser Kanzler werden und nach Berlin wechseln, äußert sich der Meerbuscher nicht. „Wir haben jetzt ganz andere Fragen auf der Agenda.“

Hermann Gröhe hatte auf dem CDU-Bundesparteitag am 7. Dezember 2018 für Annegret Kramp-Karrenbauer votiert. Für ihn war sie die Wunschlösung als neue Parteivorsitzende. „Ich habe sie stets unterstützt“, sagt Gröhe. Entsprechend fällt seine Reaktion auf deren Verzicht auf die Kanzlerkandidatur sowie den angekündigten Rückzug vom Parteivorsitz aus. „Ich bedaure das sehr. Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Interessen des Landes und der Partei immer über ihre persönlichen gestellt.“ Für die Nachfolgediskussion sei es zu früh. „Ich halte es für klüger, innezuhalten und nachzudenken, statt sofort über Namen zu reden.“

Der Landtagsabgeordnete Jörg Geerlings, der bei der Wahl zum CDU-Bundesvorsitz im Dezember 2018 eher Friedrich Merz präferiert hatte, spricht von einer „respektablen Entscheidung“, die Kramp-Karrenbauer getroffen habe. „Jetzt herrscht frühzeitig Klarheit. Man kann sich zusammensetzen und entscheiden, wie es weitergeht. Wir haben ein spannendes Jahr mit wichtigen Entscheidungen, gerade mit Blick auf die Bundestagswahl 2021 vor uns.“

Wolfgang Kaiser, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes und der CDU-Ratsfraktion in Grevenbroich, kann den Entschluss von Annegret Kramp-Karrenbauer gut nachvollziehen. „Ich habe Verständnis für ihre Entscheidung, weil sie durch die Thüringer Ereignisse in der Öffentlichkeit enorm unter Druck geraten ist. Andererseits hat Annegret Kramp-Karrenbauer persönlich immer ganz klar die Position vertreten, dass die CDU weder mit der Linken noch mit der AfD kooperieren kann“, sagt Kaiser. „Ungeachtet der Kritik an der angeblichen Führungsschwäche der Parteivorsitzenden muss man wissen, dass der CDU Landesverband Thüringen völlig frei ist in seinen Entscheidungen und sich an keinerlei Weisungen aus Berlin halten muss. Wieder einmal gilt: Je größer eine Partei ist, desto mehr Meinungen muss sie in sich vereinen und desto mehr Wind, auch Gegenwind, weht der Parteispitze um die Ohren.“

Richard Streck, Kreisvorsitzender der Jungen Union (JU), äußert Bedauern über die jüngste Entwicklung. Den Rückzug Kramp-Karrenbauers hält er für richtig. „Ich war damals bei der Wahl zum Bundesvorsitz von ihr überzeugt“, sagt Streck. „Aber es sind zu viele Fehler passiert. Und es war tragisch mit anzusehen, dass keine Strategie zu erkennen war.“

Der Neusser Stadtverordnete Thomas Kaumanns betont, dass Kramp-Karrenbauers Entscheidung „Respekt abverlangt“. Auch Kaumanns hat in den vergangenen Tagen Gegenwind bekommen – wegen eines Facebook-Posts. Er hatte die Abwahl Bodo Ramelows (Linke) als „Ein guter Tag für Thüringen“ bezeichnet. „Diese Formulierung war falsch. Sie hat die Ereignisse nicht in ihrer Gesamtheit berücksichtigt“, stellt Kaumanns klar. Er habe den Post noch am selben Tag gelöscht. „Ich bin der festen Überzeugung, dass in Deutschland nie wieder extremistische Parteien – egal ob von links oder rechts – regieren dürfen.“

Der Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling respektiert die Entscheidung Kramp-Karrenbauers. „Annegret Kramp-Karrenbauer hat für ihre Entscheidung Respekt verdient, weil sie im entscheidenden Moment die Interessen der Partei ins Zentrum und eigene hinten angestellt hat. Sie hat am eigenen Leib erfahren, dass es nicht gut ist, wenn Parteivorsitz und Kanzlerschaft oder Kanzlerkandidatur nicht direkt in einer Hand liegen. Ich teile daher ihre Einschätzung, dass beides zusammengehört.“

(abu, dne, seeg)