Angela Merkel entlässt Hermann Gröhe aus Groko: Neusser enttäuscht

Merkel entlässt Gesundheitsminister: Gröhe ohne Amt - Neusser enttäuscht

Seit Sonntag steht fest: Hermann Gröhe verliert sein Amt als Gesundheitsminister. Das gefällt nicht jedem. .

Standing Ovations beim Parteitag in Berlin, Lob und Anerkennung im Netz, Rückendeckung im Wahlkreis. "Der Zuspruch tut gut", lässt sich Hermann Gröhe (57) dann auch entlocken, ansonsten will er sich nicht dazu äußern, dass er - die Groko-Zustimmung der SPD-Basis vorausgesetzt - nicht in Merkels Kabinett IV sitzen wird. Was öffentlich zu sagen sei, habe er gesagt: "Und meine Gefühle teile ich nur mit meiner Familie." Seine Aufgabe sei es jetzt, für eine geordnete Amtsübergabe zu sorgen. Schon am Dienstag wird er seinen designierten Nachfolger Jens Spahn treffen.

Am Sonntag hatte Parteichefin Angela Merkel die Namensliste der potenziellen CDU-Minister für die angestrebte Regierung der Großen Koalition (Groko) mit der SPD vorgelegt. Gröhe steht nicht darauf. Damit endet für den Neusser eine neunjährige Ära, in der er als Staatsminister bei der Bundeskanzlerin, als Generalsekretär und als Gesundheitsminister in der ersten Reihe der deutschen Politik spielte. Die Zäsur will Gröhe nutzen, um nach hoher Belastung "abzutrainieren". Frust lässt er aber nicht erkennen: "Im Alter von 57 Jahren ist das kein Abschied von der Politik." Nun stürze er sich mit Volldampf auf die Arbeit im Wahlkreis. Dort erfährt der Minister auf Abruf viel Anerkennung - auch vom politischen Mitbewerber. Mehr noch: Viele machen ihren Unmut über die Regierungschefin Luft.

Mehr als 170 Mal wurde der Beitrag von Hermann Gröhe auf seiner Facebook-Seite kommentiert, über 50 Mal wurde er geteilt. Ruhig akzeptiert er dort die Tatsache, dass er zukünftig das Amt des Bundesministers für Gesundheit nicht mehr bekleiden wird. Insbesondere Neusser (CDU-)Politiker kritisieren dafür Merkel.

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"Die Entscheidung von Angela Merkel ist eine Frechheit!", kommentierte der CDU-Stadtverordnete Thomas Kaumanns in einem spontanen Impuls den Beitrag. Am Montag bezeichnete er die Entscheidung dann als "nicht nachvollziehbar". Bereits fünf Minuten nach Gröhes Beitrag änderte er sein Profilbild, das ihn nun gemeinsam mit dem Noch-Minister zeigt.

Auch der Neusser CDU-Chef Jörg Geerlings tritt auf seiner Facebook-Seite für Gröhe ein: "Die Besten gehen - Hermann Gröhe, Thomas de Maiziere und Wolfgang Schäuble." Geerlings, der als Delegierter beim Bundesparteitag in Berlin weilt, zeigte sich "persönlich enttäuscht" und wertet Gröhes verordneten Abgang als "Verlust für die Regierung". Er sieht aber nicht, dass Gröhes Einfluss in Berlin leiden könnte: "Es werden neue Aufgaben kommen."

Dem widerspricht auch Hermann Gröhe nicht. Er sieht seine politische Zukunft weiter in Berlin und nicht auf lokaler Ebene. Auf eine mögliche Bürgermeister-Kandidatur in seiner Heimatstadt Neuss angesprochen antwortet er: "Mein Auftrag ist die Direktwahl in den Bundestag." Und auch die Stadtverordnete Anne Holt würde ihn dort gerne noch länger im Kabinett wissen.

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(NGZ)