Analyse: Neuss privatisiert die Sportanlage Stadtwald

Neusser Woche : Vom Mut zum Experiment

Die Stadt Neuss bringt Kraft und Mut auf, die Sportanlage Stadtwald an die Internationale Schule zu verpachten und sie somit zu privatisieren. Das ist ein Gewinn für alle: Für die Stadt, die Geld spart, für die Schule, die eine Sportstätte gewinnt, für den Verein, der fortan einen starken Partner an seiner Seite weiß, und für alle Neusser, die eine moderne Sportanlage mit kompetenten und prominenten Trainern und Sportlehrern wollen.

Ja, es ist ein Experiment, aber es ist ein Experiment mit überschaubaren Risiken und extrem vielen Chancen. Die Stadt verpachtet - nach der Einstimmigkeit im Sportausschuss darf als sicher angesehen werden, dass der Beschluss auch den Rat passieren wird - die Bezirkssportanlage Stadtwald an die Internationale Schule (ISR). Im Kern privatisiert sie damit eine ihrer 15 Sportablagen. Der Vorteil für die Neusser: Die Anlage steht weiterhin für den Schul- und Vereinsnutzung zur Verfügung. Bis 17 Uhr findet dort Sportunterricht statt, für den die ISR-Schüler nur die Straße überqueren müssen.

Im Gegenzug hat die ISR sich verpflichtet, die Sportanlage aufzuwerten. Bis 2021 wird sie einen Kunstrasenplatz und eine 400-Meter-Kunststoff-Laufbahn erhalten. Mit mehr als einer Million Euro privatem Geld wird also eine Sportanlage zeitnah modernisiert, die sich ansonsten in der kommunalen Prioritätenliste hätte hinten anstellen müssen. Die Stadt spart Geld, wenn sie denn überhaupt bereit gewesen wäre, am Stadtwald zu investieren. Die Internationale Schule darf sich freuen, sie erhält die Möglichkeit auf bereits vorhandener Infrastruktur eine moderne Sportstätte zu entwickeln, die das sportliche Profil der Schule schärfen wird.

Und auch der Polizeisportverein, der auf der Anlage Stadtwald Heimrecht genießt, darf sich freuen. Dank einer modernen Spiel- und Trainingsstätte wird er bald (noch) attraktiver, erhält über die Kooperation mit der ISR kompetente und prominente personelle Verstärkung. Allein Ex-Bundesligaspieler Karsten Baumann wird für die PSV-Jugendkicker ein Magnet sein. Und nebenbei gewinnt der PSV in ISR-Macher Peter Solimann noch einen durchsetzungsstarken Mitstreiter, der mit seinen finanziellen und organisatorischen Möglichkeiten, das Experiment „Verein und Schule gemeinsam auf den Weg zur Spitze“ kalkulierbar macht. Wetten, dass ... ?

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