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Ein Schwergewicht mit 533 Zimmern: An der unteren Grenze

Ein Schwergewicht mit 533 Zimmern : An der unteren Grenze

Von Christoph Kleinau In Düsseldorf entsteht ein Hotel der Superlative: Größtes Kongresszentrum des Landes, Ballsaal mit 2500 Plätzen. Das verändert die Situation für die Neusser Hotellerie, die sich zudem mit Hotelplänen für Rennbahn überrascht sieht. So soll das geplante Hotel Maritim am Flughafen in zwei Jahren aussehen. Ein Kongresszentrum mit großem Ballsaal.

Von Christoph Kleinau In Düsseldorf entsteht ein Hotel der Superlative: Größtes Kongresszentrum des Landes, Ballsaal mit 2500 Plätzen. Das verändert die Situation für die Neusser Hotellerie, die sich zudem mit Hotelplänen für Rennbahn überrascht sieht. So soll das geplante Hotel Maritim am Flughafen in zwei Jahren aussehen. Ein Kongresszentrum mit großem Ballsaal.

Leon Sztabelsky hatte am Mittwoch gut zu tun - und darüber war der Direktor des Holiday Inn richtig froh. Denn die Zeiten für die Neusser Hoteliers sind "wirklich nicht leicht", wie er betont: "Mit jedem neuen Hotel in Düsseldorf fällt weniger für die Randgebiete ab." Dieser so genannte "Überschwapp-Effekt", der den Neusser Häusern vor allem zu Messezeiten die Betten füllt, könnte künftig noch geringer ausfallen, denn wo am Düsseldorfer Flughafen derzeit eine riesige Baugrube ausgehoben wird, soll sich schon in zwei Jahren ein Maritim-Hotel erheben.

Ein Schwergewicht mit 533 Zimmern, 30 Suiten und einem Ballsaal, der 2500 Gäste fassen kann und damit den Saal des Neusser Swissôtel deutlich übertrumpft. Dieser Koloss verändert die Situation für die Neusser Hoteliers in mehrfacher Hinsicht. Der große Saal könnte Bälle wie die Ohoven-Gala, die eben auch deshalb in Neuss ausgerichtet werden, weil es in Düsseldorf bislang keinen Saal dieser Größe gibt, wieder zu rechtsrheinischen Festen werden lassen.

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"Frau Ohoven arbeitet seit Jahren mit uns zusammen und scheint ja zufrieden zu sein", betont Stephan Noth vom Swissôtel zwar ebenso tapfer wie selbstbewusst, doch das ist keine Garantie. Und in der Tat bestätigte Ingo Wolf als Organisator der Ohoven-Gala: "Das Maritim hat gute Chancen. Nach der Gala werden Verhandlungen aufgenommen."

Eine neue Situation schafft das Maritim mit dem dazu gehörigen größten Kongresszentrum des Landes auch für die unter dem Dach des Neusser Convention Concept (NCC) zusammen geschlossenen drei großen Häuser und ihre Bemühungen, Neuss als gute Adresse für große Kongresse und Tagungen zu etablieren. "Bisher war einer unserer größten Konkurrenten das Hotel Estrel in Berlin, demnächst sitzt er direkt vor unserer Nase", umreißt Isa Dheus die Situation, die Tourismusmanagerin bei der Neusser Tagungs- und Tourismus GmbH (NTTG).

Dabei gibt es im Geschäft mit Tagungen und Kongressen schon jetzt keine neuen Kunden mehr zu entdecken. Wer wachsen will, muss anderen etwas wegnehmen. Im Wissen um diesen Mechanismus beauftragte das NCC im Februar mit der IFH Aktiengesellschaft aus Frankfurt für gut 40 000 Euro Jahresgage einen Profi, der auf Messen wie der Seminar- und Tagungsbörse exklusiv für die Neusser Hotels Veranstaltungen aquirieren soll. Kein leichtes Geschäft, wie Dirk Bäcker von IFH betont.

Mit dem Ergebnis für das erste Halbjahr ist er gleichwohl zufrieden: "Der fest gebuchte Umsatz liegt über 80 000 Euro." Und er rechne fest damit, im ersten Jahr noch mindestens eine große Tagung mit 250 Teilnehmern nach Neuss zu holen.

"Drei bis vier Angebote in dieser Größenordnung sind noch offen." Dass die drei Neusser Häuser mit ihren 660 Zimmern auch künftig ein Geschäft machen werden, glaubt er sicher. Schließlich unterstreiche die Maritim-Ansiedlung nur, dass der Standort Düsseldorf/Neuss gut ist.

Für Isa Dheus ist das Thema Kongresshotel schon recht speziell, der Markt begrenzt. "Wenn in Neuss ein neues Hotel entsteht, ist der Aufschrei fast noch größer", kommentiert sie die Reaktionen der Neusser Hoteliers auf die Pläne für das Rennbahngelände, die ebenfalls ein Hotel vorsehen. "Wir sind an der Grenze nach unten angekommen, jedes weitere Hotel gefährdet die Existenz der bestehenden", erklärt Sztabelsky die Reaktionen seiner Zunft vor einem drohenden Überangebot.

Dass es dazu kommt, ist für Andreas Galland vom Amt für Wirtschaftsförderung noch nicht ausgemacht. Das Hotel sei eine Option, jeder Interessent werde gerade die Konkurrenzsituation sehen und bewerten, ist er sicher. Und nachdem die Rennbahn-Pläne in dieser Woche auf der Immobilienmesse "Expo Real" in München Thema waren, glaubt Galland: "Wenn , dann wird es wird sicher kein Hotel in der Liga von Swissôtel, Dorint oder Holday Inn werden."

Auf Sicht schließt Dheus Kölner Verhältnisse für Neuss nicht aus. Das heißt: Leben mit dem Überangebot. Da passt ins Bild, dass auf der Expo-Real, so Galland, auch die Landes-Entwicklungsgesellschaft (LEG) Pläne für ein Hotel vorgestellt hat - für Allerheiligen.

(NGZ)