An der Oberstraße in Neuss: Ärger über Taschenkontrollen im Aldi-Markt

Immer wieder Ärger in Neuss : Dürfen Aldi-Mitarbeiter einfach so in meinen Rucksack gucken?

Im Discounter an der Oberstraße wird regelmäßig in Rucksäcke geschaut – zum Ärger von Kunden. Ist dieses Vorgehen überhaupt rechtens? Die Verbraucherzentrale klärt auf.

Seit vielen Jahren ist Günter Marto schon Kunde beim Aldi-Markt an der Oberstraße. Nun hat er jedoch für sich beschlossen: „Ich gehe dort nicht mehr hin!“ Ausschlaggebend für seine Entscheidung: Vor wenigen Tagen sei der 59-Jährige bereits zum zweiten Mal von Mitarbeitern des Aldi-Marktes aufgefordert worden, seine Tasche durchsuchen zu lassen. Dieser Bitte sei er allerdings nicht nachgekommen. „Zum Schutz meiner Privatsphäre“, wie er sagt. Daraufhin habe man ihm mit Hausverbot gedroht. Zudem sei er darum gebeten worden, beim nächsten Mal seine Tasche an der Kasse zu deponieren, bevor er einkauft. „Das ist mir aber viel zu unsicher. Schließfächer wären viel sinnvoller“, sagt Marto.

Aldi bestätigt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass in der Filiale an der Oberstraße häufiger Einkaufstaschen oder -Trolleys an der Kasse überprüft werden. „In begründeten Verdachtsmomenten führen unsere Mitarbeiter mit Zustimmung der Kunden Kontrollen durch. Die Polizei wird nur dann hinzugezogen, wenn einer Überprüfung nicht zugestimmt wird“, so ein Sprecher. Bestehe ein konkreter Verdacht, werde der potentielle Dieb in die Sozialräume geführt, „um die nötige Diskretion zu wahren“. Jeder Diebstahl werde zur Anzeige gebracht.

Aber ist dieses Vorgehen überhaupt rechtens? Nach Angaben der Verbraucherzentrale ist ein Blick in die Tasche, ohne dass ein konkreter Verdacht eines Diebstahls vorliegt, ein unzulässiger Eingriff in das Persönlichkeitsrecht. „Kunden brauchen einer solchen Aufforderung nicht nachzukommen, auch dann nicht, wenn ein Hinweisschild auf die Durchführung von Kontrollen verweist“, heißt es. Wer an der Kasse oder am Ausgang aufgefordert wird, seine Tasche zu öffnen, sollte auf das Verbot hinweisen. Wenn das Personal nicht einsichtig ist, sollten Kunden die Kontrolle zulassen und sich hinterher bei der Geschäftsführung beschweren. Eine Tascheninspektion sei nur erlaubt, wenn ein Dieb auf frischer Tat ertappt wird und deswegen ein sogenannter Tatverdacht vorliegt. Das setze grundsätzlich voraus, dass er dabei beobachtet wurde, wie er etwas in seiner Tasche verschwinden ließ.

Geschäftsinhaber können von Kunden jedoch verlangen, dass sie beim Betreten ihre Tasche abgeben. Das ist aber nur zulässig, wenn Einkaufstaschen bewacht oder in einem Schließfach untergebracht werden können.

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