Amihai Grosz (Viola) und Matan Porat (Klavier) im Zeughaus Neuss

Zeughauskonzerte Neuss : Bewegendes Memento für Schostakowitsch

Amihai Grosz (Viola) und Matan Porat (Klavier) sind international gefragt und auch in Neuss bestens bekannt.

Neuss Der Besuch der Neusser Zeughauskonzerte lohnt sich immer. Selbst wenn die ein oder andere Interpretation als nicht glücklich gewertet werden kann, so wird man garantiert im gleichen Konzert mit einem Highlight entschädigt. Die Quintessenz lautet folglich: Der Besuch hat sich gelohnt.

Das gilt jetzt in etwa auch für das letzte Zeughauskonzert, in dem die international gefeierten und in Neuss bestens bekannten jungen Stars Amihai Grosz (Viola) und Matan Porat (Klavier) zu Gast waren. Sie spielten zuerst die „Sonate für Viola da gamba und Cembalo“ von Johann Sebastian Bach. Nun kann es durchaus dankbare Alternative sein, das fast ausgestorbene Instrument Gambe durch eine Viola zu ersetzen, auch wenn Klang und spieltechnische Voraussetzungen – die Gambe hat sechs Saiten – variieren. Dazu ist aber unbedingt ein möglichst historisch orientiertes Cembalo vonnöten.

Matan Porat spielte auf dem Zeughausflügel seinen Part technisch perfekt, aber mit einem Temperament, das der Viola kaum eine Chance zum gleichwertigen Dialog bot. Amihai Grosz, erster Solo-Bratschist der Berliner Philharmoniker, spielt eine wertvolle Gaspar-da-Salò-Viola von 1570, die ihm als Leihgabe auf Lebenszeit zur Verfügung gestellt wurde. Sie konnte er deutlich besser vorstellen in der „Sonate f-Moll“ von Johannes Brahms, vor allem in der berührenden Coda des ersten Satzes und dem mit der gleichen Einfühlsamkeit wunderbar musizierten zweiten Satz. Nun hat Brahms aber diese Sonate für Klavier und Klarinette geschrieben und den Klang ganz auf dieses Instrument hin entwickelt. Den kann auch eine kostbare Viola nicht erreichen. Der Juchzer zur Einleitung des Finalsatzes klingt auf einer Klarinette wirklich ganz anders!

Dann aber gab es die Entschädigung, für die sich das Kommen allemal gelohnt hatte. Dmitri Schostakowitsch hat 1975, bereits sterbenskrank, eine „Sonate für Viola und Klavier“ geschrieben. Nie zuvor hatte er für dieses Instrument komponiert, so darf man diese Sonate zugleich als sein musikalisches Testament betrachten. Die beiden Interpreten verwandelten in höchster Konzentration dieses Werk in ein Requiem für den Komponisten. Viele Schönheiten und tiefe Momente der Kontemplation prägten vor allem den dritten Satz mit einem leidenschaftlichen Viola-Solo, bevor die Coda in C-Dur friedlich „einschläft“. Diesen Satz beendete Schostakowitsch eine Woche vor seinem Tod. Die Uraufführung seines letzten Werkes erlebte er nicht mehr, er starb am 9. August 1975 in Moskau im Alter von 69 Jahren.

Nach diesem bewegenden Memento im Zeughaus passte dann die Zugabe aus Robert Schumanns „Fantasiestücke“ nicht mehr. 

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