Serie Rätsel Der Stadt (16): Am Weißen Haus: Teuerste Theke der Stadt

Serie Rätsel Der Stadt (16): Am Weißen Haus: Teuerste Theke der Stadt

Ein 4,50 Meter langer Steinquader dient auch als Abstellfläche. Geschaffen hat ihn Ulrich Rückriem.

Neuss Lästermäuler, in Neuss Rekeliser gerufen, bezeichnen den grau-braunen Steinquader vor dem Restaurant "Weißes Haus" an der Michaelstraße gern als teuerste Theke der Stadt. Richtig ist, dass für Arbeiten des in Helpenstein aufgewachsenen Künstlers Ulrich Rückriem meist sechsstellige Summen plus X bezahlt werden müssen. Falsch ist, dass es sich bei dem 4,50 Meter langen und 18 Tonnen schweren Stein um eine Theke handelt - auch wenn Biergarten-Gäste im Sommer gern ihr Glas auf dem "Tisch" abstellen.

Das gewaltige und dennoch unscheinbare Kunstwerk stammt aus der Werkstatt von Ulrich Rückriem, der längst Weltruhm erlangt hat. Er ist documenta-Künstler und auch im Berliner Reichstag, wo der Deutsche Bundestag arbeitet, ist er mit einem Werk vertreten. Eine umfassende Dokumentation seines Schaffens aber hält seine (erweiterte) Heimat bereit: Die Rückriem-Hallen sind eine sehenswerte Säule des Kulturzentrums Sinsteden in der Gemeinde Rommerskirchen. Rückriem, der im September 80 Jahre alt wird, lebt und arbeitet heute vornehmlich in Köln und London.

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Die Stadt Neuss schätzt sich glücklich, dass sie Arbeiten eines der großen Söhne der Stadt öffentlich zeigen kann. International bekannt ist der 2,70 Meter hohe Monolith auf der Promenade, der als Mahnmal zur Erinnerung an die verfolgen, deportierten und ermordeten Neusser Juden aufgestellt wurde. Nur wenige Schritte entfernt gelangt der, der die Passage An der Synagoge nutzt, zum "Platz vor dem Weißen Haus" mit einem anderen Rückriem-Kunstwerk - dem bescheiden-kraftvollen "Schutzwall".

Dabei handelt es sich um ein Geschenk der Sparkasse Neuss, präziser: der Jubiläumsstiftung der (damaligen) Stadtsparkasse Neuss - an Neuss und die Neusser. Am 10. Oktober 1994 wurde der Steinquader der Öffentlichkeit übergeben und liegt seither in unmittelbarer Nachbarschaft der Sparkasse. Das Kreditinstitut baute damals ihr "Werk II" an der Michaelstraße, erhielt die alte Fassade, die bis heute dem Weißen Haus seinen Namen gibt. So steht der "Schutzwall" auch für gute, gefestigte Nachbarschaft.

(-lue)