Neuss: Am "Tatort Hotel" fehlen meist die Handtücher

Neuss : Am "Tatort Hotel" fehlen meist die Handtücher

Eine Studie zeigt, was Gäste aus Hotelzimmern besonders gern mitgehen lassen. Während der Deutsche Handtücher und Bademäntel mitgehen lässt, schraubt der Niederländer gern auch mal die Glühbirnen raus. "Fahrende Diebe" haben vor allem zu Messezeiten Konjunktur.

Mehr als 250 000 Gäste übernachten jedes Jahr in den Hotels der Quirinusstadt. Bei so machen wandern bei der Abreise gern Handtücher, Seife und Stifte ins eigene Gepäck. Für solche "Langfinger" stellt das nicht mehr als ein Kavaliersdelikt da. Doch sicherlich darf dies nicht mehr für Bilder an der Wand, Föhn oder Fernseher gelten. Die Polizei geht von einer hohen Diebstahl-Dunkelziffer aus, denn 2012 wurden ihr stadtweit nur 17 Fälle gemeldet; neun waren es im Vorjahr. "Die meisten Diebstähle im oder aus dem Hotel werden nicht angezeigt", vermutet eine Sprecherin der Kreispolizeibehörde Neuss. Wie dreist so mancher Hotelgast aber dabei sein kann, zeigt eine aktuelle Umfrage von "Wellness Heaven" unter 711 Hoteliers in Deutschland.

Die Studie listet die am häufigsten gestohlenen Gegenstände auf. Die Handtücher sind dabei in 82 Prozent aller befragten Häuser das größte Objekt der Begierde, gefolgt von Bademänteln (62 Prozent). Ralf Binnewies vom gleichnamigen City-Hotel in der Neusser Innenstadt vermutet dahinter vor allem Souvenirjäger. "Da lässt sich entgegenwirken, in dem man kein Logo auf die Sachen druckt. Ich habe mich deshalb bewusst dagegen entschieden", sagt der Hotelier. Seit vier Jahren betreibt er das Haus an der Adolf-Flecken-Straße. In den 50 Zimmern hängen seine selbst gemalten Ölgemälde. Auch diese wurden bisher nie gestohlen.

Beliebt seien hingegen die farbigen Zahnputzbecher im Bad und rote Eierlöffel. Die verschwinden regelmäßig. "Da es sich hierbei um kleine Geldbeträge von wenigen Euro handelt, werden einfach neue gekauft", sagt Binnewies. Auch bei Handtüchern oder Decken würde er den Hotelgast im Nachhinein nicht mit dem Diebstahl konfrontieren. Einmal war ein Fernseher verschwunden. "Da die Zimmertür offen war, konnten wir aber nicht eindeutig nachvollziehen, ob es der Hotelgast oder jemand anderes war", so der Hotelchef. Darum sah er auch in jenem Fall von einer Anzeige bei der Polizei ab. Der Hotelier erzählt aber auch von laufenden Gerichtsverfahren zu der Frage, ob mitgenommene Duschgel-Fläschchen oder Seife einen Diebstahl darstellen. Einige Hotels sehen das so. Gäste wiederum berufen sich darauf, dass dies im Zimmerpreis einberechnet wäre.

Auch Arnd Hagemeier, Direktor im Neusser Holiday Inn, ärgert es, was Gäste aus den Zimmern so alles mitgehen lassen. Er reagiert aber gelassen: "Das Thema kenne ich seit meiner Ausbildung." Ihn alarmiert vielmehr, dass die Diebstähle im öffentlich zugänglichen Hotel-Bereich, also in der Lobby, an der Bar oder im Restaurant, zunehmen. "Fahrende Diebe", so Hagemeier, reisen mit dem Publikum zu den großen Messen an, um als Business-Leute getarnt in einem unbeobachteten Moment Handy, Computer oder Koffer zu stehlen. Die Tendenz sei steigend. Arnd Hagemeier hat Konsequenzen gezogen. Er schiebt persönlich zu Messezeiten Wache. Von 7 bis 11 Uhr ist er zur Stelle, um Hab und Gut seiner Gäste zu schützen: "Vor allem außerhalb der Zimmer müssen wir alle wachsam sein."

(NGZ)
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