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Neuss: Alte Post zeigt Streetart nur von Frauen

Neuss : Alte Post zeigt Streetart nur von Frauen

Aus der ersten Streetart-Ausstellung "Outsidein" vor zwei Jahren in der Alten Post ist ein Projekt geworden. Mit der Präsentation von Straßenkunst ausschließlich von "girls girls girls" geht es jetzt weiter. Danach sind Männer dran.

Die Einladungskarte hat eine mädchentypische Farbe. Irgendwas zwischen Pink und Rosa. Schließlich lautet der Titel der Veranstaltung auch "girls girls girls". Aber da gibt es noch den Abdruck einer Kneifzange ... Auch ein Klischee? Oder ein Hinweis darauf, dass Nettigkeit nicht zu erwarten ist? Beides trifft vermutlich zu, denn die neue Ausstellung in der Alten Post zeigt mit rein weiblicher Streetart – also Straßenkunst – eine unmuseale, aufmüpfige Kunst von einem eher kleinen Prozentsatz der Szene.

Vor zwei Jahren hat der Kurator der Alten Post, Klaus Richter, mit dem "Outsidein"-Projekt zur Streetart eine neue Richtung in seiner Ausstellungspolitik eingeschlagen und Kunst präsentiert, die teilweise erst am Ort entstanden ist und sich langsam, aber konsequent aus dem Grenzbereich zum ärgerlichen Graffiti herausgearbeitet hat. Damals waren nur männliche Künstler dabei – was sich so ergeben hat, aber nicht beabsichtigt war, wie Richter beteuert. Beim nächsten Mal, so hatte er sich da schon geschworen, ist das anders.

Das "nächste Mal" beginnt am kommenden Sonntag. Und dafür sind ausschließlich Frauen eingeladen worden. Wie die fünfköpfigen Puff Girls, die auf die persönlichen Klarnamen verzichten, nur als Gruppe auftreten und ihre Marke auch schon an der Neusser Wall of Fame am Konrad-Adenauer-Ring hinterlassen haben. Sie haben im Foyer eine große Wand mit ihrem Namenszug bearbeitet – jeder Buschstabe steht dabei für ein unverzichtbares Körperteil beim "Streetarting": Gedärm, Lunge, Hirn und Herz. Sie bemalen auf Schrottplätzen gerne Autos, also gehört auch das in die Ausstellung, stellte allerdings die Alte-Post-Kuratoren Richter und Konstantin Zaika sowie Hausmeister Andreas Scharf vor die fast unlösbare Aufgabe, wie man ein Auto ins Foyer bekommt. Scharf hat es irgendwie geschafft: Jetzt steht ein halbes Auto da; Licht und Hupe funktionieren noch.

Überhaupt strahlt das ganze Foyer die Atmosphäre einer Werkhalle aus. Neonröhren hängen unter der Decke, der Fußboden besteht aus grauen Pressspanplatten, die Glasvitrinen sind unter Wellblech (ein Imitat aus Plastik) verschwunden, in die andere Ecke ist der Bretterverschlag eines originalen Vorarbeiterbüros aus einer insolventen Papierfabrik in Düsseldorf eingebaut. Die Holzwände sind schon markiert, mit "Tags" und kleinen Zeichnungen, werden wohl noch bunter werden, denn darauf darf sich jeder Besucher, der mag, sagt Klaus Richter, mit seinem "Tag" verewigen.

Während im Erdgeschoss der Alten Post die ganze Buntheit, das Schräge der Streetart präsentiert wird, geht es eine Etage drüber mit gehängter Kunst ganz klassisch zu. Dort, mit Bildern der spanischen Streetart-Künstlerin Yubia und auch von "Frau Isa" aus Wien, zeigt sich, wie viel Können auch in der Straßenkunst stecken muss, wenn sie wie jede andere Kunst gut sein will. Und warum sie sich auf dem besten Weg zu musealen Weihen befindet. Die puppenhaften Mädchenfiguren von Frau Isa haben nur auf den ersten Blick etwas Süßes, beim zweiten verstören sie mit ihren starren, merkwürdig verzerrten Gesichtern. Und bei den filigranen Zeichnungen von Yubia möchte man gar nicht aufhören mit dem Spaziergehen auf den Bildern.

(NGZ)